Weihnachten: Machen Geschenke Kinder glücklich?

Gepostet von am 26. November 2015 in beliebte Themen, Freunde, Lebensfreude, Persönliche Geschichten, Selbstbewusstsein | Keine Kommentare

Weihnachten: Machen Geschenke Kinder glücklich?

Es ist wieder soweit: Weihnachten steht vor der Tür und die Gedanken kreisen um Geschenke und was unsere Lieben glücklich macht. Ladenbesitzer und Onlineshops reiben sich vor Freude die Hände, denn an Weihnachten klingeln die Kassen. Juhu, das Fest der Freude für einen jeden. Kinder schreiben eifrig ihre Wunschzettel und die fallen in der Regel nicht zu knapp aus. Während die Kleinen sich noch über ein Holzauto freuen, mit dem sie stundenlang töff töff spielen können, schielen die Youngsters bereits nach Computer-Games, Handys und Macs.

Warum Kaufen Kinder nicht glücklich macht

Ich war gestern nach Feierabend mit meinen beiden Jungs in der Stadt. Unser Plan war, Laubsägen und Bastelmaterial zu besorgen, damit sie im Hobbyraum werken können. Dass mein umfangreiches Sortiment an Wolle, Häkelnadeln, Nähmaschine und Aquarellzubehör meine Jungs nicht in Verzückung versetzen konnte, habe ich eingesehen und das Projekt „handfestes Männerwerken“ unterstützt.

Sie waren ganz begeistert und voller Vorfreude darauf, schon am Abend sägen und schleifen zu können, dass sie hopsend neben mir zum Laden liefen. Das Spannende jedoch war meine Beobachtung unmittelbar nach dem Kauf. Obwohl wir den Laden mit umfassender Ausstattung verließen, wirkten meine Kinder unausgeglichen. Sie piesakten sich ein wenig auf dem Rückweg zum Auto und wollten unbedingt noch in einen Spielzeugladen, um noch mehr zu kaufen. Schon im Bastelladen hielten sie mir sinnlosen Kram unter die Nase mit der Aufforderung (nicht Frage ;-): Kann ich das haben? Biiiiitttte Mama! Ich brauche noch dies und ich brauche noch das, hörte ich die ganze Zeit in klagend-jammerndem Endlos-Ton, aber keine Silbe über Freude zu den soeben gekauften Sachen. Die Laubsäge war bereits vergessen. Jetzt waren andere Wünsche plötzlich furchtbar wichtig. Willkommen im Kaufrausch.

Doch was ist geschehen? Wohin ist die Freude verpufft und warum?

Kinder, die es gewohnt sind, dass ihnen alle Wünsche erfüllt werden, verlieren die Fähigkeit, sich über Dinge zu freuen. Die Gewöhnung zerstört das Glück. Psychologen nennen dieses Phänomen hedonistische Tretmühle. Das erste Geschenk ist noch eine unheimlich große Freude, das nächste löst bereits weniger Begeisterung aus und so geht es immer weiter. Wir tun unseren Kindern also keinen Gefallen, wenn wir all ihre Wünsche erfüllen. Ganz im Gegenteil. Ich konnte selbst sehen, dass Kaufen meine Kids nicht glücklich gemacht hat. Ganz im Gegenteil: es entstanden im Laden unmittelbar noch hundert neue Bedürfnisse, die vorher gar nicht da waren. Und damit begann das Elend und die Unzufriedenheit. Sie konnten sich gar nicht mehr an dem erfreuen, was sie soeben gekauft hatten, sondern waren traurig über all die schönen Sachen, die sie nicht haben kaufen dürfen.

Was aber macht Kinder zu Weihnachten und auch sonst wirklich glücklich?

Als wir gestern früh aufgewacht sind, war der ganze Garten weiss und mit Schnee bedeckt – zum ersten Mal in diesem Winter. Meine Kinder waren ganz aus dem Häuschen, als sie dies gesehen haben und wollten unbedingt sofort raus. Um sechs aufgestanden, sofort gefrühstückt, angezogen, Zähne geputzt und um 6.25 Uhr waren sie bereits draussen, um einen Schneemann zu bauen. Sie waren so glücklich als ihr Schneemann stand und verließen voller Stolz und vollkommen ausgeglichen das Haus. Maximaler Glücksfaktor völlig gratis.

Beobachtet man seine Kinder genauer, so stellt man garantiert fest, dass die schönsten Momente im Leben der Kinder nahezu immer mit anderen Menschen, der Natur oder der eigenen Kreativität zu tun haben. Selten mit dem Kaufen. Aus der Bedürfnislosigkeit heraus entsteht Glück – losgelöst von Erwartungen. Das Glück überrascht uns also immer wieder und löst dadurch Freude und Staunen aus. Gerald Hüther sagte einmal: „Glückliche Menschen kaufen nichts.“ Und ich kann dem nur zustimmen. Auch ich freue mich viel mehr, wenn ich überraschenderweise über einen schönen Gegenstand oder ein Kleidungsstück stolpere und es dann kaufe als wenn ich gezielt zum Shoppen in die Stadt tigere und klare Erwartungen und Vorstellungen davon habe, was ich „brauche“.

Kleiner Trick, um Computerspiele und Fernsehen im Zaun zu halten

Meine Jungs sind nun auch in dem Alter, in dem sie gerne mal ein Spiel am Ipad spielen oder eine Sendung schauen wollen. In einem relativ kleinen Rahmen lasse ich dies zu und neulich als sie gemeckert haben, dass wir sie im Vergleich zu Schulfreunden extrem wenig spielen und schauen lassen, habe ich ihnen folgende Frage gestellt. „Sagt mir mal bitte beide, was die schönsten Erlebnisse der letzten zwei Wochen für euch waren.“ Die Jungs schauten sich an, begannen, darüber nachzudenken und zählten alle möglichen Erlebnisse auf.

„Komisch“ sagte ich. „Ihr habt mir nun mindestens 10 tolle Erinnerungen aufgezählt und nicht einmal habt ihr Computerspiele oder Fernsehen dabei erwähnt. Ihr erinnert euch nur an die Erlebnisse, bei denen ihr mit Freunden zusammen wart, etwas gebastelt oder mit uns unternommen habt. Und nun wollt ihr mehr von dem, an das ihr euch nichtmal erinnern könnt und das euch gar nicht happy macht?“ Die beiden schauten mich an, kicherten ertappt und flitzten davon. Das Thema Computerspiele war somit erstmal vom Tisch und jedes Mal, wenn sie mich danach fragen, erinnere ich sie daran und sie finden automatisch die richtige Dosierung.

Was Kinder und auch wir Erwachsenen brauchen

Es ist Zeit, die wir brauchen und die uns glücklich macht. Gemeinsam verbrachte Zeit und verbindende Erlebnisse. Gemeinsames Kochen und Essen, ein kleines Kartenspiel, gemeinsam Stöcke schnitzen oder etwas basteln, zusammen etwas Neues lernen, Ausflüge, Begegnungen mit Freunden und der Familie und gemeinsames Lachen. Dies sind die Erinnerungen, die sich in unser Gedächtnis einbrennen. Der Film oder das Game von gestern ist morgen bereits vergessen und die dafür aufgebrachte Lebenszeit dahin.

Wie wäre es dieses Weihnachten mit Geschenken, die wirklich bleiben, wie z. B.

  • Gutschein für einen aufregenden Familien-Ausflug
  • Gesellschaftsspiel, das man noch am Bescherungstag zusammen spielt
  • Karten für ein Konzert, Theater, Kino
  • Schlittschuhe zum gemeinsamen Eislaufen
  • Skikurs, Kinderkochkurs, Malkurs
  • Künstlerbedarf und Leinwand, um Kreativität zu ermöglichen
  • Bastelsachen und ausgedruckte Bastelideen
  • Eine ausgedruckte Erlaubnis für eine Übernachtungsparty mit Freunden

Gemeinsame Zeit ist verschenkte Liebe und Liebe kann man nicht kaufen. Ich sehe ein, dass auch der ein oder andere materielle Wunsch erfüllt werden sollte. Aber eben nicht jeder und die Freude ist umso grösser, je länger ein Kind auf ein Geschenk warten darf. Das Warten und die Vorfreude geben dem Geschenk erst den würdigen Wert und die Freude daran. In diesem Sine: Frohe Weihnachten 😉


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