Warum du ein Lügenbeutel bist – und ich auch!

Gepostet von am 15. Februar 2015 in beliebte Themen, erfolgreiche Menschen, Karriere & Beruf, persönlicher Erfolg, Selbstbewusstsein | 2 Kommentare

Warum du ein Lügenbeutel bist – und ich auch!

Wenn ich Leute danach frage, welche Werte ihnen wichtig sind im Leben, dann höre ich fast immer auch die Worte Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Vertrauen und so weiter. Und doch könnten wir alle wie Münchhausen auf einer Kanonenkugel durchs Leben fliegen, weil wir lügen, dass sich die Balken biegen. Täglich und jeder von uns. Du genauso wie ich. Doch warum tun wir dies und wie wirkt sich das Lügen auf unser Leben, unsere Karriere und unsere Beliebtheit aus? Sind am Ende vielleicht sogar die besseren Lügner erfolgreicher, beliebter und zufriedener? Und genau zu diesem Thema wurde eine Studie durchgeführt von der Forschergruppe um Prof. Feldmann (2002). Die Frage war, wie oft wir Menschen innerhalb von 10 Minuten durchschnittlich lügen.

Hierbei wurden 242 Personen gebeten, an einem Experiment teilzunehmen, bei dem es sich angeblich darum drehte, Das Verhalten von Menschen bei ihrer ersten Begegnung zu untersuchen. Die Teilnehmer sollten sich 10 Minuten lang mit einer fremden Person unterhalten, so die Erläuterung. Es wurden Paare gebildet, bei denen sich jeweils eine Person im Vieraugengespräch der anderen selbst darstellen sollte. Einige wurden aufgefordert, sich ganz besonders sympathisch zu geben. Andere sollten ihre Fähigkeiten in ein gutes Licht rücken und eine dritte Gruppe bekam keinerlei Anweisungen, sondern konnte völlig frei sprechen. Ohne das Wissen der Teilnehmer wurde alles per Kamera aufgezeichnet und ihnen im Anschluss des Gespräches verraten. Wenn die Probanden einverstanden waren, sollten sie sich die Aufnahmen ihres eigenen Gespräches anschauen und auf alle Übertreibungen, Ungenauigkeiten und Unwahrheiten hinweisen. Dabei kam heraus, dass die Selbstdarsteller mehr Lügen aufgetischt haben, wenn sie sympathisch oder kompetent wirken sollten, als wenn nichts von ihnen verlangt wurde. 60% aller Teilnehmer hatten in den 10 Minuten durchschnittlich 2-3 Mal gelogen – auch die ohne Anweisung.

Am Ende der Untersuchung waren die Teilnehmer selbst überrascht über die Ergebnisse. Die Studie zeigte zudem, dass die von Männern und Frauen begangenen Lügen sich nach Inhalt und nicht nach Menge unterschieden. Frauen lügen eher, um sich sympathisch zu zeigen und Männer um kompetenter zu wirken.

Fazit: Dieses Experiment zeigt, dass wir doch alle ganz schöne Lügenbeutel sind und auch insbesondere bei neuen Begegnungen gern mal Dinge ausschmücken, um unsere Fähigkeiten oder unsere liebenswerte Seite ein wenig besser ins Licht zu rücken. Feldmann, Tomasian und Coats haben 1999 zudem herausgefunden, dass in der Schule die beliebtesten Schüler oft gewiefte Lügner sind. Das kommt daher, dass wir Erwachsenen den Kindern zwar beibringen, dass Ehrlichkeit das Beste sei, ihnen jedoch gleichzeitig vermitteln, es sei höflich, auch dann Freude zu heucheln, wenn einem z. B. das Geburtstagsgeschenk nicht gefällt. Die Kinder empfangen widersprüchliche Botschaften, was das Lügen angeht. Und genau dies beeinflusst ihr Verhalten als Erwachsener. Wenn also ein Kind gelernt hat, dass es mehr Zuwendung, Aufmerksamkeit und Erfolg durch Flunkern und Lügen bekommt, dann nutzt es diese Strategie auch künftig, um damit Erfolg zu haben.

Wir Erwachsene nennen dies dann Diplomatie. Klingt ja auch viel besser als Lügen, oder? 😉

Karriere durch Lügen?

Und wie sieht es im Berufsleben aus mit der „Diplomatie“? Wer macht Karriere?
Jeder von uns begegnet zuweilen Menschen, die kein Blatt vor den Mund nehmen. Sie krakeelen einfach jeden Gedanken schnurstracks heraus, wie er ihnen in den Sinn kommt. Auf Gefühle nehmen sie wenig Rücksicht. Sind sie damit erfolgreich? Beliebt? Nein, eher nicht. Der höfliche Diplomat hingegen, der für jeden ein Lächeln übrig hat, die noch so miese Frisur mit einem netten Kommentar bedenkt und den Weihnachtsspeck der Kollegin mit einem schmeichelnden Kompliment zu ihrem Outfit übermalt, den haben wir gern.

Auch ich bin ein Verfechter der Wahrhaftigkeit, der Ehrlichkeit und des Vertrauens. Und doch müsste ich Pinocchio heißen, wenn es um das Thema Ehrlichkeit geht. Ich könnte gar nicht mitzählen, wie oft am Tag ich flunkere, damit die Menschen in meinem Umfeld sich wohl fühlen. Und ich lüge nicht für mein Ego oder um besser dazustehen, sondern einfach dafür, dass der Mensch mir gegenüber ein gutes Gefühl hat. Wenn ich z. B. ein Bild meines Sohnes betrachte und beim besten Willen nicht erkennen kann, was das Gemälde darstellen soll, ich aber die Freude in seinen Augen über sein Kunstwerk sehe. Dann sage ich, dass ich es wunderschön finde. Oder wenn jemand ein Treffen mit mir verschwitzt und mich dadurch versetzt. Klar finde ich es saublöd. Aber ich weiß auch, dass der andere sich doppelt so schlecht fühlt deswegen und muss deshalb kein Fass aufmachen, um dem anderen meine Enttäuschung auszuschmücken. Ich denke, manchmal ist weniger mehr.

Natürlich ist es wichtig, in den lebensrelevanten Themen aufrichtig zu sein und für unsere Freunde, Kollegen und Familie ein verlässlicher und wahrhaftiger Mensch zu sein. Wir sollten uns gegenseitig nicht belügen, wenn wir um eine ehrliche Meinung gebeten werden. Und doch sollten wir nicht unverblümt jedem niederschmetternde Wahrheiten um die Ohren peitschen. Realität gibt es ohnehin nicht. Jeder von uns erschafft seine eigene individuelle Realität und was der eine toll findet, ist für den anderen ein Graus.

Ich denke die Dosis macht das Gift. Ein Mensch, der sein eigenes Ich komplett zurück stellt und nur noch zum Wohle anderer agiert, der lügt auf Schritt und Tritt, um die Gefühle der anderen niemals zu verletzen. Dabei belügt er sich selbst jedoch häufig am meisten, da er seine Bedürfnisse ablehnt. Das kann nicht der Weg zum Glück sein. Der immer schonungslos Ehrliche wird sehr bald recht einsam werden, da so viel Wahrheit niemand verträgt. Deshalb habe ich mir mal überlegt, welche Gründe ich finden kann, in denen Lügen hilfreich ist:

3  Gründe für das Lügen

1. Um anderen Mut zu machen, auch wenn ihre augenblickliche Lage alles andere als günstig ist.

Dein Freund hat seinen Job verloren, sich beide Beine gebrochen im Skiurlaub und auf dem Konto ist Ebbe. Die Lage erscheint wirklich übel. Und selbst wenn du nicht sicher wissen kannst, dass er in kürzester Zeit wieder einen neuen Job finden wird und ganz gesund wird, so ist es wesentlich hilfreicher, ihm Vertrauen in seine Zukunft einzuhauchen, als ihn darin zu bestärken, dass die Lage mies ist. Nichts ist so stark wie die Macht der eigenen Gedanken und unsere Fähigkeit zu Visualisieren. Indem wir uns und andere darauf ausrichten, was wir wollen anstatt auf das, was uns belastet, richten wir unseren Blick auf Lösungen statt Probleme.

2. Um ein Feuer der Begeisterung für eine Sache, ein Projekt, ein Ziel zu entfachen.

Dies ist z. B. bei Kindern der Fall, wenn sie etwas wirklich noch gar nicht können und entmutigt erkennen, dass andere besser sind in einer Sache. Was hilft es dem Kind dann, wenn wir auch noch bestätigen, dass die anderen wirklich viel besser sind? Besser finde ich persönlich, zu sagen, dass die anderen auch nur durch Üben zu dieser Fähigkeit gelangt sind (auch wenn es sich um ein ausgesprochenes Talent handelt). So bleibt die Hoffnung auf das Erreichen dieses Ziels bestehen, anstatt es im Keim zu ersticken. Denn auch wenn das Kind nie ein großer Meister auf diesem Gebiet werden würde, so hat es doch vielleicht große Freude daran. Sollte man ihm diese rauben? Und wer weiß schon, wie sich das Kind entwickelt? Vielleicht holt es durch die Begeisterung und das innere Feuer jedes angeborene Talent mit der Zeit auf. Man sollte nie die Macht der Begeisterung unterschätzen.

3. Um jemanden nicht bloßzustellen.

Ja, dein Kollege hat Mist gebaut und ja, du weißt es und aller Wahrscheinlichkeit, auch einige andere. Aber dein Kollege weiß es tatsächlich am allerbesten und du kannst dir sicher sein, dass es ihm enorm unangenehm ist. (Außer, wenn es sich um einen chronischen Fall handelt). Anstatt auf den Fehlern herumzureiten, wäre es nun sinnvoller, deinem Kollegen wieder Mut zu machen und lieber den Fehler etwas herunter zu spielen als aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Letzteres beherrschen viele von uns im Schlaf. Ersteres erfordert Charakter. Es muss also nicht sein, dass alle Kollegen von der Sache Wind bekommen und es ist besser, als Team zusammen zu halten, als jemanden bloßzustellen. Auch wenn es bedeutet, dass man flunkern muss.

Lügen gehören zu unserem Leben, machen uns menschlicher und zuweilen sogar liebenswerter. Wichtig ist einfach nur die Dosierung und die Motivation des Lügens. Menschen, die sich selbst einfach konsequent in der Selbstdarstellung optimieren wollen und deshalb mächtig auf den Putz hauen, kommen mit dieser Nummer sicher nicht nachhaltig ans Ziel. Vielleicht erzielen Sie Kurzzeiterfolge und heimsen die eine oder andere Lorbeere ein. Sicher ist in diesem Fall jedoch, dass das Glück nicht lange währt, denn früher oder später durchschauen unsere Mitmenschen diese Masche, die lediglich das eigene Ego nährt. Wer hingegen zum Wohle aller hier und da an der Wahrheitsschraube dreht, sorgt für ein besseres Klima unter uns Menschen. Es kommt wie immer im Leben einfach auf die Beweggründe an.

 

 

 


2 Kommentare

  1. Hallo u. Guten Abend aus Freiburg,
    Danke, für Deine interessanten Infos. Habe ich gerade..durch eine Querverbindung..das erste Mal gesehen…dazu noch aus der Schweiz..schmunzeln

    • Hi Christian, und das Interessante daran ist: Ich selbst bin ich Freiburg aufgewachsen und in der Wiehre zur Schule gegangen 😉 So spiele die Zufälle 🙂
      Freut mich, dass dir die Artikel Freude bereiten.

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