Das Unglück zu vermeiden, ist nicht der Weg zum Glück

Gepostet von am 28. Januar 2015 in beliebte Themen, Blog, Lebensfreude, persönlicher Erfolg | 1 Kommentar

Das Unglück zu vermeiden, ist nicht der Weg zum Glück

Neulich habe ich den Film Hectors Reise gesehen und ich kann ihn dir nur wärmstens empfehlen, wenn du das Gefühl hast, dass deinem Leben etwas fehlt. Etwas wichtiges wie Lebensfeuer, Lebensfreude oder etwas Glück.

Wie viele von uns stecken in einem Korsett auf Verpflichtungen und „Müssen“ fest, so dass dieser Teil den Fokus ihres Lebens bildet. Jeden Morgen schlafwandeln wir irgendwie zur Arbeit, durch den Arbeitstag und dann wieder nach Hause. Dazwischen versuchen die ein oder anderen möglichst so viel unter Kontrolle zu haben, dass sie Unglück vermeiden können. Wir versichern uns, achten peinlichst genau darauf, dass wir niemanden enttäuschen, planen alles haargenau und überlassen am liebsten nichts dem Zufall.

Hectors Reise – Trailer

Ganz ehrlich stecke ich momentan auch ein bisschen in dieser Falle fest. Und genau das ist auch der Grund, warum ich in den letzten Wochen so wenige Artikel veröffentlichen konnte. Die Verpflichtungen türmen sich gerade zu einem Eiffelturm in meinem Leben auf und aus dem sonstigen „Dürfen“ ist seit einiger Zeit ein konstantes Müssen geworden. Das liegt ganz einfach daran, dass wir gerade privat ein Haus sanieren, um dort dann in einigen Wochen einzuziehen und ich auch wegen des künftigen Wohnorts parallel noch den Standort meiner Praxis verlegen musste – samt Renovierungsarbeiten. Mit Arbeit, Kindern und dem zusätzlichen Pensum ist aus meinem beschwingten und fröhlichen Dasein plötzlich etwas Schwerfälliges, Durchgetaktetes und teilweise Fremdbestimmtes geworden. Und das fühlt sich nicht besonders prickelnd an. Das Gute daran: Ich weiß, es sind nur noch einige Wochen und dann habe ich meine Freiheit wieder. Bis dahin habe ich beschlossen, extrem zu priorisieren und mich tatsächlich nur um die Dinge zu kümmern, die wichtig UND dringend sind. Alles andere muss warten.

Brennt dein Lebensfeuer noch?

Doch bei vielen Leuten ist dies leider Dauerzustand. Ihr Leben gleicht einem Dauermarathon oder dem Kontrastprogramm dazu; einem Boreout (Unterforderung, Langeweile, Desinteresse). Beide Fälle haben eins gemeinsam: Das Lebensfeuer brennt nur noch auf Sparflamme und kaum etwas macht mehr Freude im Leben.

Die unheimlich Ehrgeizigen überlassen nichts dem Zufall. Sie sind Profis im Unglück-Vermeiden. Doch was ihnen dabei entgeht, ist, dass sie bei all dem Unglückvermeiden leider allzu oft auch das Glück vermeiden. Denn sie können weder zu- noch loslassen. In meiner Praxis begegnete mir ein Paradebeispiel eines Superperformers. Es ging sogar soweit, das er mir für unsere erste Sitzung einen genauen Plan mitbrachte, nach dem ich vorgehen sollte, um seine Probleme anzugehen. Dieser Plan war sagenhafte 5 Seiten lang und beinhaltete wirklich alle möglichen kognitiven Aspekte und sehr tiefgehende Ansichten und rationale Erkenntnisse. Völlig verdutzt saß ich da und schaute mir das Wunderwerk an, bis ich lauthals zu lachen anfing. Ich musste so sehr lachen, dass auch er nach kurzer Verwirrung mitlachen musste. Es war ein sehr verbindendes und befreiendes Lachen, das der Anfang einer gemeinsamen Reise wurde. Manchmal kann einfach nur noch Lachen helfen.

Ich legte seine Liste auf die Seite und sagte ihm, dass ich wirklich sehr glücklich darüber sei, dass er nun da sei und dass wir also gleich mit der Arbeit an seinem Vertrauen beginnen würden. Planung und Kontrolle haben einen so immensen Stellenwert in seinem Leben eingenommen, dass er permanent am Leisten war – sogar jetzt bei mir. Er wollte sicher gehen, dass wir die „richtigen“ Ergebnisse und Lösungen finden. Doch was er dabei übersah, ist, dass man nur auf neue Lösungen kommen kann, wenn man alte Pfade verlässt und etwas einfach mal ganz anders macht als üblich. Und deshalb war er bei mir. Man kann Lebensfreude nicht wie ein Projekt planen. Denn statt nach dem Glück zu suchen, findet man in der Regel das Glück beim Suchen. Oder anders gesagt: Der Weg ist das Ziel. Nur muss man auch in der Lage sein, dies dann überhaupt wahrzunehmen anstatt den Blick konstant auf die Zukunft zu richten, um dort nach dem Ziel Ausschau zu halten.

Neue Erkenntnisse erfordern neue Sichtweisen

Gewisse Erkenntnisse können nur dann entstehen, wenn man ihnen auch Raum gibt und hier und da neue Impulse erhält.  Wer immer nur im gleichen Kämmerchen versucht, kreativ zu sein, wird schnell feststellen, dass das nicht funktioniert. Sehr oft kommt eine Erkenntnis oder eine Idee, sobald man seinen Standpunkt ändert und z. B. nach draussen geht, einen Spaziergang macht, mit jemandem kurz über Belangloses redet und lacht oder ganz einfach die Augen schließt und träumt. Will man neue Ideen, braucht man neue Herangehensweisen. So einfach ist das.

Wenn du dich dabei ertappst, auch ein Planungsgenie zu sein und dabei aber merkst, dass dir die Lebensfreude wie feine Sandkörnchen aus dem Leben herausrieselt, dann halt einfach mal an. Nimm dir Zeit und lass Raum entstehen für neue Eindrücke. Mach eine Reise,  lies ein neues Buch, besuch mal einen Kurs für etwas, das du noch nie ausprobiert hast, setz dich einfach mal in der Natur auf eine Bank und beobachte, unterhalte dich mit Menschen, mit denen du sonst kaum Kontakt hast. Tu einfach mal was Neues und lass dies auf dich wirken.

Ich habe mir vor zwei Wochen eine kleine Auszeit für ein Wochenende genommen und bin an den Hallwiler See gefahren. Natürlich hatte ich meinen Laptop dabei und war fest entschlossen, nach dem ersten Entspannungstag gleich einen schönen Artikel für den Blog zu schreiben. Aber Pustekuchen. Ich habe das Nichtstun mit jeder Faser so sehr genossen, dass ich gar nicht in der Lage war, den Laptop aufzuklappen. Meine Seele hat diese innere Ruhe, Reizlosigkeit und Informationsarmut wirklich so dringend gebraucht, dass ich gar nicht anders konnte, als mich zu entspannen und einfach nichts zu tun. Meine Kraftakkus waren wieder geladen und so lässt sich die absehbare Zeit der Anspannung sehr gut bewältigen. Im Wissen, dass es tatsächlich vorübergehend ist – und das ist wichtig. Jemand, dessen Leben auf Daueranspannung programmiert ist, kommt nicht drumherum, etwas daran zu ändern.


1 Kommentar

  1. Ein sehr schöner Artikel, und übrigens auch ein sehr schöner Film, der einem viel über Lebensfreude beibringen kann. Ich bin auch ein Mensch, der alles gerne genau plant und deshalb fällt mir Stress abbauen manchmal schwer – aber mit der richtigen Einstellung geht es eben doch und man kann die Dinge auch einfach mal schleifen lassen 🙂

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