Wie werden wir zu Männern wenn uns Frauen erziehen? 3 Fakten über Selbstwert und die Illusion der Männlichkeit.

Gepostet von am 11. Januar 2014 in persönlicher Erfolg, Selbstbewusstsein, Top 10 Listen | 4 Kommentare

Wie werden wir zu Männern wenn uns Frauen erziehen? 3 Fakten über Selbstwert und die Illusion der Männlichkeit.

Gastbeitrag von Benedikt Ahlfeld

„Disney hat mir eine falsche Vorstellung von Liebe vermittelt.“

Mein Weg war kein unüblicher. Auch wenn das viele behaupten mögen. Vor 2 Jahren hieß es noch: „Wow, was du für dein Alter schon alles erreicht hast!“ Früher ging mir das immer auf die Nerven. Na und, war ich halt 24 und hatte mein eigenes Unternehmen aufgebaut. Heute höre ich diesen Satz nicht mehr so oft… und irgendwie vermisse ich ihn.
Viel Privates in meinem Leben ist aufgrund meiner Tätigkeit als Trainer auch in der Öffentlichkeit bekannt. Ein Thema ist dabei bisher noch wohl behütet geblieben: das Thema Männlichkeit.

Und auch wenn manch einer glauben mag, dass mein Weg ein ganz und gar unüblicher war, so hat er doch völlig normal begonnen: ich wurde geboren. Da sich meine Eltern schon kurz nach meiner Geburt trennten, wurde ich von meiner Mutter groß gezogen. Dann ging es in den Kindergarten. Dort waren alle Betreuer weiblich. Dann in die Grundschule. Wieder war meine Lehrerin eine Frau. Rückblickend bin ich also erst im Alter von zehn Jahren im Gymnasium mit männlichen Autoritätspersonen konfrontiert worden.
Das Wort „Konfrontation“ trifft es auch sehr gut. Du siehst also… mein Weg war ein sehr „normaler“. Und das ist ein Zeichen unserer Zeit.

Wir werden von Frauen erzogen

Selbst, wenn ich in einem „typischen“ Haushalt aufgezogen worden wäre – gerade, wenn es ein „typischer Haushalt“ gewesen wäre – hätte ich meinen Vater wahrscheinlich nicht oft gesehen. Die meisten Männer sind nach wie vor jene, die viel Zeit in der Arbeit verbringen. Wo ist also das Vorbild „Mann“ hin verschwunden?
Auch wenn ich die Bemühungen meiner Lehrerinnen sehr zu schätzen weiß, eine Sache ist leider unverrückbar: eine Frau kann mir nur beibringen, eine Frau zu sein, nicht ein Mann. Das kann nur ein Mann.
Ich persönlich habe es mir zu Beginn also aus den Medien zusammen geklaubt: Filme, Bücher, Magazine. Und je metrosexueller diese mit der Zeit wurden, umso schwieriger wurde es für mich, klare Ecken und Kanten zu erkennen, wie sie noch in Zeiten von John Wayne der Fall waren. Am Aussehen konnte es also nicht liegen… ich musste für mich selbst definieren, was „Mann sein“ bedeutet. Und so kam ich ziemlich bald auf das Thema Selbstwert und damit auch meinen Wert als Mann.

3 Fakten über Selbstwert

1. Selbstwert ist unabhängig vom Außen
Selbstwert hat nichts mit deinem Aussehen zu tun, deiner Kleidung oder deinem Haarschnitt. Es macht also keinen Sinn teure Dinge oder materielles Spielzeug anzuschaffen, nur um das kurze Glücksgefühl mit Selbstwert zu verwechseln. Es sei denn, du definierst dich komplett über das Außen. Dann hast du natürlich einen von deiner Umgebung abhängigen Wert. Willst du das so, such dir ein Umfeld, das dich positiv in deinem Außen bestätigt. Achtung, jetzt kommt ein extremes (und vielleicht böses) Beispiel. Es ist aber nicht böse gemeint, sondern zeigt nur die Wahrheit auf: hältst du dich selbst für zu dick, willst aber nicht abnehmen, dann liegt es daran, dass dir dein Umfeld sagst, du würdest zu viel wiegen.
Das macht dich unglücklich. Also suchst du dir eine Gemeinschaft, die dich beim Abnehmen unterstützt. Zum Beispiel eine Gruppe auf Facebook oder einen Verein wie Weight Watchers. Was passiert dort? Alle bestätigen dich in deiner Annahme, du seist zu dick. Immerhin sind sie alle genau deshalb auch dort. Suche dir also lieber einen Club, in dem du bestärkt wirst, wie etwa einen Konditorei- und Back-Verein. Ich will dir damit eines aufzeigen: es ist egal, was du im Außen bist – Bestätigung kannst du überall finden. Das Problem daran: Selbstwert kann nicht aus dem Außen kommen. Darum heißt es ja auch Selbstwert“ und nicht „Fremdwert“.

2. Selbstwert entsteht im Innen
Wenn Selbstwert also von Innen kommt, dann gibt es nur eine Person, die ihn dir geben kann: du selbst. Tust du das? Wenn nicht, fang damit an.
Starte eine neue Liebesbeziehung zu dem Menschen, mit dem du am meisten Zeit verbringst… mit dir. Ganz kitschig, wie in einem Hollywood Film. Wenn es einen Menschen auf der Welt gibt, der dich wirklich versteht, dann bist du das. Aber manchmal musst du dich dafür erstmal selbst kennen lernen. Hierbei empfehle ich dir NLP und Hypnose Methoden, um effizient an den Kern deiner wahren Identität zu gelangen.

3. Selbstwert will gepflegt werden
Genauso, wie wenn du frisch verliebt bist, beginnst du nun, dir selbst Komplimente zu machen. Kleine Geschenke, die du einfach nur im Stillen vor dich hersagst. So etwas kennt man auch als Affirmation. Damit bestärkst du dich selbst und beginnst, deine innere Einstellung zu verändern. Weg von „Ich mag mich nicht mehr“ hin zu „Ich bin sehr inOrdnung!“ Natürlich kann man das auch übertreiben. Oder vielleicht auch nicht? Wie viel Liebe „darfst“ du dir selbst denn geben und wer hat dir das eingeredet? „Es gibt einen, der mich liebt. Ich. Und das ist mir genug!“

Als ich das erkannt hatte, war ich mir plötzlich auch sehr klar über die Männlichkeit. Denn es geht um nichts anderes: annehmen, was man ist. „Ich bin Mann“, wenn ich ein Mann bin.
(Und natürlich „Ich bin Frau“, wenn ich eine Frau bin.) Und zwar vom Innen heraus.

10 Tipps für mehr Männlichkeit

  • Du weißt, was du willst
  • Du sagst, was du willst
  • Du tust, was du willst
  • Du nimmst dir deinen Freiraum, und
  • Du respektierst die Grenzen anderer
  • Du forderst ein, was dir wichtig ist
  • Du bietest Halt, wo er gebraucht wird (auch ungefragt)
  • Du pflegst deinen Körper und deinen Geist
  • Du bist einfühlsam aber nicht anhänglich
  • Du nimmst deine Partnerin / deinen Partner so an, wie sie oder er ist

Spätestens jetzt wird klar: was „Mann sein“ schlussendlich für dich bedeutet, musst du selbst definieren. Für mich gehört vor allem dazu, dass ich ein Leben nach eigenem Standard führe. Und dass ich nur einem Menschen Rechenschaft ablegen muss: mir selbst.
Alles Liebe,
Benedikt

P.S. Zum Glück war es für meine Eltern möglich, mir stets Kontakt zu beiden Seiten zu ermöglichen. Darüber bin ich sehr froh, denn mein Verhältnis zu ihnen ist heute so gut wie noch nie zuvor und das führe ich insbesondere darauf zurück. Habt herzlichsten Dank für eure Liebe! !!

Über Benedikt Ahlfeld:

Benedikt Ahlfeld ist Autor, Trainer und Infopreneur. Er ist der Überzeugung, dass viele Menschen nicht ihr volles Potential leben. Die meisten geben sich mit weniger zufrieden und finden sich damit ab, dass nicht alles so läuft, wie man es sich eben vorgestellt hat. Auf seinem Blog www.BenediktAhlfeld.com schreibt er darüber, wie man sich von diesen Blockaden befreit und ein Leben nach eigenem Standard führt.


4 Kommentare

  1. War das nicht schon immer so, dass Jungs von Frauen erzogen wurden? Die Generation unserer Eltern vielleicht in der Nachkriegszeit, der Vater in 6 Tage Wochen in der Arbeit? Unsere Großeltern, der Großvater im Krieg? Vorher haben Frauen üblicherweise nicht gearbeitet (also im Sinne von „außer Haus“), der Mann hat das Geld heim gebracht, die Mutter hat sich mit neun Kindern um Heim und Herd gekümmert. Also was ist heute anders?

    • Hallo Sepp,

      du beziehst dich jetzt natürlich auf die westliche Kultur. Die ist aber bei weitem nicht so alt wie die Menschheitsgeschichte und viele, viele Jahre zuvor wurden Jungs ab einem gewissen Zeitpunkt initiiert und offiziell zu „Männern“ gemacht. Egal welche Kultur, ähnliche Rituale lassen sich finden. Diese fehlen uns heute fast gänzlich komplett (außer vielleicht die „Reifeprüfung“ durch das Abi oder den Führerschein) aber das ist ja auch wieder geschlechterneutral.

      Zudem kommt noch, dass viele Triebe, die zum großen Teil der männlichen Energie zugerechnet werden, unterdrückt werden (Bsp. Bildungswesen, wo meistens weibliche Erzieherinnen zuständig sind). Das ist kein Vorwurf an jene tüchtigen Lehrerinnen und Lehrern, im Gegenteil. Meine eigene Mutter ist Pädagogin und hat ausgezeichnete Arbeit geleistet!

      Aber das System an sich ist es, das ich hinterfrage und wozu ich auch dich einladen, anstatt alles mit einem „So war es ja immer schon“ wegzuwischen.

      Schau mal hier: http://www.zeit.de/2012/02/Maenner

      Alles Liebe,
      Benedikt

      • …hmmm, ich wollte jetzt nichts „wegwischen“ mich hat es nur interessiert. Weil ich es auch anders erlebe, ich habe zwei 16-jährige Töchter, sehe deren (männlichen) Freunde und Schulkameraden und habe nicht den Eindruck dass die unter Frauen leiden. Die schaffen sich ihre Initiationsriten selber (wie ich das in dem Alter auch gemacht habe) durch „Mutproben“ wie von einer Eisenbahnbrücke in den Lech zu springen oder durch übermäßigen Alkoholmissbrauch. Also in meiner Wahrnehmung hat sich da nur geändert, dass wir gerne aus jedem Mitesser eine lebensgefährliche Allergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit machen.
        LG
        Sepp

    • Lieber Sepp, aus meiner Sicht ist es so, dass der Unterschied zu früher vielleicht darin liegt, dass die klassische Rollenverteilung und das typische Rollenbild heute weniger ausgeprägt gelebt werden. Heute sind die Männer präsenter in der Familie als früher, da sie sich auch immer häufiger in die Erziehung aktiv einbringen und auch mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. In Bens Fall lief es da anders aufgrund der Trennung. Allein die Elternzeit und Erziehungsurlaube wären noch vor 15 Jahren undenkbar gewesen und belächelt worden. Heute ist das Gang und Gäbe. Auch in Kindergärten erlebe ich immer mehr männliche Erzieher und das tut den Kindern gut. Früher lebten die Familien notgedrungen im Großfamilienverbund, in dem auch Großväter die männliche Präsenz zeigten.
      Der Artikel möchte zum Ausdruck bringen, dass es bei Männlichkeit weniger um Testosteron und Männliches Gehabe geht, sondern vielmehr darum, wie man(n) es schafft, selbstbewusst männlich zu sein und sich als Mann in seiner Mitte zu finden. Im nächsten Artikel schreibe ich, was aus der Sicht von Frauen Männer männlich macht und bin schon gespannt, was ihr Männer davon haltet. Bis bald und danke für dein Feedback! Alles Liebe, Evi

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