Wie du wahres Selbstbewusstsein findest, anstatt nur selbstsicher zu wirken

Gepostet von am 8. April 2014 in beliebte Themen, Karriere & Beruf, Persönliche Geschichten, Selbstbewusstsein | Keine Kommentare

Wie du wahres Selbstbewusstsein findest, anstatt nur selbstsicher zu wirken

Es gibt zahlreiche Kurse zur Stärkung des Selbstbewusstseins und auch welche für sicheres Auftreten oder die Steigerung der Überzeugungskraft und viele wünschen sich, selbstbewusster auftreten zu können und sich wohler zu fühlen. Aber die besten Lektionen bekommt man doch im wahren Leben. Und eine solche Geschichte erzähle ich dir gleich mal, denn sie veranschaulicht eigentlich sehr gut den Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und selbstsicherem Auftreten.

Im Duden heißt es, dass Selbstbewusstsein: „das Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt“ bedeute. Und weiter heißt es: „Bewusstsein (des Menschen) von sich selbst als denkendem Wesen“.

Ich sehe es etwas differenzierter und inspiriert hat mich zu diesem Artikel mein Samstags-Ausflug in einen Day-Spa. Da diese Woche für mich sehr intensiv und ereignisreich war, habe ich beschlossen, am Samstag die Woche mit etwas Ruhe und Seelenwellness ausklingen zu lassen. In Zürich gibt es hierfür ein ganz wunderbares Plätzchen mit einer asiatischen Sauna- und Entspannungslandschaft und ich schwang mich voller Freude auf die schöne Ruhe und Wärme genau dahin.

Als ich ankam und feststellte, dass nur wenige Gäste da waren, freute ich mich um so mehr über die kommenden ruhigen Stunden. Doch da habe ich mich zu früh gefreut, denn unmittelbar mir gegenüber platzierten sich zwei redselige Männer Mitte 20 und kauten lautstark die gesamte Berufswoche durch, dass ich mich wunderte, ob ihnen nicht der Mund bald in Fransen hängen würde.  Nun gut, dachte ich, dann gehe ich einfach mal in die Sauna und gönn mir Wärme. Aber siehe da, kamen doch tatsächlich nochmal zwei Exemplare der Plauderitis-Ausgabe dazu und auch diese beiden Herren (ebenfalls Mitte 20) tauschten sich munter mitten in der Sauna über ihr wichtiges Berufsleben und ihre noch wichtigeren Erlebnisse und Begegnungen aus.

Als ich sie dann liebevoll fragte, ob es ihnen etwas ausmachen würde, das Gespräch später fortzusetzen, da mir ihre detailreichen persönlichen Geschichten doch etwas unangenehm seien, antwortete mir einer der beiden: „Ach das passt schon. Wir sind ja auch zum Entspannen hier.“ Und es ging dann einfach ungeniert weiter. Ich war fasziniert von dieser Reaktion („baff“ trifft es vielleicht eher) und habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet. Die beiden waren sehr von sich überzeugt und verfügten über enorm selbstsicheres Auftreten. Manch einer würde sicherlich sagen, sie seien selbstbewusst. Ich räumte irgendwann das Feld und suchte mir ein neues ruhiges Plätzchen jenseits austauschhungriger Plaudertaschen.

Warum Selbstsicherheit kein Selbstbewusstsein ist

Als ich es mir noch leicht fassungslos auf meiner neuen Liege kuschelig gemacht habe, dachte ich darüber nach, wie ich die beiden soeben in ihrem Verhalten empfunden habe und mir wurde bewusst, dass diese Männer alles andere als selbstbewusst waren. Sie traten großspurig auf, ignorant und sehr eigenwillig und sie verfügten zweifelsfrei über ein sehr großes Ego. Ego-bewusst passt hier aus meiner Sicht also doch eher. Und genau das ist der Springende Punkt. Als menschliches Wesen sind wir mehr als unser Verstand und unsere Ratio, denen das Ego entspringt. Wir sind weit mehr als nur das denkende Wesen.
Selbstbewusstsein hat etwas damit zu tun, sein Selbst zu erkennen und sich dessen bewusst zu werden. Und das Selbst hat nichts mit dem Ego zu tun. Keine Sorge, ich drifte jetzt nicht in die esoterische Welt ab und verteufle das liebe Ego. Denn auch das Ego ist ein wichtiger Teil unseres Seins und ohne ein Ego würde niemand mehr auch nur irgend ein Vorhaben vorantreiben oder etwas bewegen.

Die Frage ist nur, womit identifiziert sich ein Mensch?
Selbstsicheres AuftretenGlaubt er, nur das ICH zu sein, dann glaubt er, das Ego zu sein und tritt dementsprechend bevorzugt selbstsicher und auch gerne großspurig auf. Wenn man vom ICH spricht, dann spricht man über das, wofür man sich hält. Entweder man hält sich für das, was man ist, oder man hält sich für das, was man zu sein glaubt. Das ICH identifiziert sich mit dem Körper, mit Besitz und mit dem, was man tut; also welche Rollen man im Leben einnimmt. Es ist sehr stark auf die Wirkung orientiert und oft bewertend und trennend (ich habe Recht und du nicht…). Es entspringt dem bewussten Verstand. (Ein sehr gutes Buch zu diesem Thema ist übrigens Jetzt! Die Kraft der Gegenwart. von Eckhart Tolle)

Selbstsicheres Auftreten ist trainierbar und wird auch gern bis zur Perfektion eingeübt. Es dient dem Zweck, eigene Ziele zu erreichen, andere von sich zu überzeugen oder für ein Vorhaben zu gewinnen. Man kann selbstsicher auftreten ohne selbstbewusst zu sein. Umgekehrt ist es nicht möglich. Das Problem ist dabei, dass ein Ego-orientierter Mensch immer wieder Bestätigung von Außen als Treibstoff für sein Ego braucht. Versiegt die Quelle einmal, dann entstehen tiefste innere Zweifel und Unsicherheit, wodurch dann auch das Auftreten nach Außen auffällt – entweder durch überbetonte Selbstsicherheit (Arroganz) oder durch Rückzug. Ein Mensch, der sich überwiegend mit dem ICH identifiziert, hat niemals die gewinnende und authentische Ausstrahlung, die ein von innen heraus selbstbewusster Mensch besitzt.

Denn ein selbstbewusster Mensch tritt immer gleichbleibend sicher auf. Seine Sicherheit ist nicht von äußeren Faktoren abhängig, sondern wird von innen empfunden – aus dem inneren Vertrauen heraus in sich und in das Leben. Er ist sich seiner SELBST bewusst und tritt dementsprechend immer gleich sicher auf.

Aber was ist denn das sogenannte Selbst?

 

Selbstbewusstsein

Das Selbst ist der Anteil in uns, der sich auch vollständig fühlt, wenn wir keinen Beifall erhalten. Es ist unser innerstes Wesen und das Wissen darum, dass wir vollkommen und ganz sind, egal, was wir tun. Es ist die Quelle tiefsten Selbstvertrauens und des Vertrauens in das Leben und alles was uns umgibt und es ist das Wesen, das hinter dem wachbewussten Dasein steht. Es ist die Summe unseres Wesens zu dem auch unser Unterbewusstsein zählt. Das Selbst offenbart sich uns in Momenten der Gedankenstille und der inneren Einkehr wie z. B. in der Meditation, beim Laufen, in der Natur und in der Stille.

Solange ein Mensch nach Techniken sucht, die ihn selbstsicherer wirken lassen, wird diese Selbstsicherheit oftmals nur oberflächlich und kurzfristig bleiben. Im Kern bleibt das Unwissen über sich SELBST und damit über das wirkliche eigene Potenzial. Natürlich ist es sehr hilfreich, für manche Situationen einpaar Kniffe und Techniken zu beherrschen, die dir helfen, einen guten Eindruck zu hinterlassen oder ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Da in unserer Gesellschaft Menschen sehr stark über Äußerlichkeiten beurteilt werden, kann man mit selbstsicherem Auftreten natürlich bereits sehr viel bewirken und gewinnen.

Die folgenden Punkte ermöglichen dir, schnell einen guten Eindruck zu vermitteln und selbstsicher zu wirken:

  • gepflegtes und hochwertiges Outfit und Erscheinungsbild
  • ruhige und gleichmäßige Bewegungen (vermeiden von hektischen und nervösen Gesten)
  • wenig von sich selbst preis geben, um bei anderen interessant zu bleiben
  • anderen Anerkennung und Lob geben
  • höfliche Umgangsformen nach Knigge beherrschen
  • deutlich und bedacht sprechen anstatt viel zu plappern
  • ruhiger Blick verbunden mit gelegentlichem Lächeln

Wenn du diese Punkte beherzigst, wirst du schon sehr schnell Eindruck machen können und selbstsicherer wirken. Aber es bleibt dennoch die Anwendung einer Verhaltens-Technik. Aber wenn du wirklich von innen heraus selbstbewusst leben möchtest und das nachhaltig, dann wirst du wohl nicht drum herum kommen, dich mit deinem Inneren zu beschäftigen und dir deiner Selbst bewusst zu werden.

Die spannende Frage ist jetzt, wie du es schaffst, selbstbewusst zu werden – also dir deiner Selbst bewusst zu werden?

Das Entscheidende ist, sich selbst einfach einmal ganz losgelöst von anderen und der eigenen Rollen zu betrachten. Wirf allen Ballast in Form von Erwartungen, Verpflichtungen und Rollen ab und betrachte dich selbst ganz nackt (im übertragenen Sinne).

Selbstsicher werdenAm besten gelingt dir das, wenn du dir vorstellst, du bekämst 25 Mio Euro geschenkt. Du darfst sie nur behalten und ausgeben, wenn du einer beliebigen Arbeit nachgehst, von der du theoretisch leben könntest. Und nun wird es spannend. Beantworte unter dieser Vorgabe nun folgende Fragen:

  • Mit welcher Art von Menschen wäre ich dann gerne zusammen?
  • Von welchen Menschen würde ich mich zurückziehen?
  • Was würde ich auf keinen Fall mehr tun?
  • Mit welchen Tätigkeiten würde ich am liebsten meinen Tag verbringen?
  • Wie und wo würde ich wirklich aus tiefstem Herzen leben wollen?
  • Was sind meine drei absoluten Stärken?
  • Was macht mich einzigartig und was kann nur ich tun? (Das kann eine besondere Mischung aus verschiedenen Stärken sein, die in dieser Kombination andere nicht besitzen. Das kann eine Passion und ein besonders tiefes Verständnis für ein bestimmtes Thema sein. etc.)
  • Wofür würde ich mich persönlich engagieren wollen und wie bringe ich meine Stärken hier ein?
  • Welche meiner Eigenschaften sind liebenswert?

Wenn du dir diese Fragen beantwortest, dann bist du deinem SELBST schon viel näher. Die meisten von uns versuchen, bestimmte Erwartungen zu erfüllen, die eigentlich nicht zu ihnen gehören und die sie gar nicht (mehr) wollen. Wir gehen Verpflichtungen ein, die uns über die Jahre hinweg aber vielleicht irgendwann einfach zu viel werden. Doch wir lassen sie nicht los, da wir fürchten, andere zu verletzen oder zu enttäuschen. Dabei enttäuschen wir uns selbst konstant am allermeisten. Und die Frage ist hierbei: Sind andere mehr wert als ich? Ich bin der Meinung: Nein, sind sie nicht.

Übung zur Steigerung des Selbstbewusstseins

Ich habe hier eine sehr inspirierende Übung, mit der du dir deiner Selbst, deiner Stärken und deiner Entwicklung bewusst werden kannst, um daraus dann wirkliches Selbstbewusstsein zu ziehen. Es ist das Making-of-Modell, das ich aus dem Buch 50 Erfolgsmodelle kenne und diese Übung zielt darauf ab, sich die Vergangenheit bewusst zu machen, um die Zukunft BEWUSST zu gestalten.

Mit Hilfe dieser Übung schaffst du eine Verbindung zwischen deiner Geschichte und deiner Zukunft und wirst dir deiner Selbst bewusster sowie deiner Fähigkeit, Hindernisse zu überwinden und Erfolge zu erzielen. Du brauchst nur einen Zeitrahmen zu definieren (z. B. die letzten 10 Jahre) und dann die Fragen jeweils zu beantworten. So erfährst du schon eine ganze Menge mehr über dich selbst und über deine Stärken und Wünsche und kannst dann darüber nachdenken, welche Richtung du deinem Leben ab heute geben willst. Das Zurückblicken auf Gemeistertes schenkt dir wahres Vertrauen in dich und stärkt dein Selbstbewusstsein.

Selbstbewusstsein stiegern

Hier findest du die Übung als pdf zum Download für Zuhause.

Je bewusster du dir deiner Stärken, Fähigkeiten und Wünsche wirst, desto mehr wirst du in der Lage sein, deine wirklichen Bedürfnisse von denen anderer zu unterscheiden und es wird dir leichter fallen, Menschen für dich zu begeistern. Denn du trittst dann automatisch authentisch auf und wirkst glaubwürdig auf andere. Alles, was wir uns antrainieren und was nicht wirklich unseren inneren Bedürfnissen entspricht, senden wir in Form unserer Körpersprache nach außen aus und somit strahlen wir etwas Unechtes/Zweifelhaftes aus. Wenn du dir jedoch deiner Selbst und deiner Bedürfnisse bewusst wirst, kannst du auch selbst Grenzen setzen, sobald du erkennst, dass du z. B. dabei bist, es anderen recht zu machen, anstatt deinen Wünschen zu folgen. Und dazu gehört wahres Selbstbewusstsein.

Selbstbewusstsein geht nicht ohne Selbstverwirklichung und deine eigenen Erfolge zeigen dir auf, wo und wann du dich selbst hast bereits verwirklichen können. So kannst du dich auch erneut ausrichten auf deine Dynamik des Gelingens.

Und nun kommt noch der entscheidende Faktor zu wahrem Selbstbewusstsein dazu. Sobald du dir deiner Selbst bewusst bist, achtest du mehr auf deine Bedürfnisse und deine Wahrnehmung verändert sich zum Positiven hin. Dann wirst du auch automatisch beginnen, andere Menschen bewusster wahrzunehmen und ihnen mit mehr Verständnis begegnen. Du wirst erkennen, dass du und andere nicht voneinander getrennt seid, sondern durch das gemeinsame Umfeld miteinander verbunden und wirst ihnen offener und liebenswerter begegnen können, anstatt egoistisch und opportunistisch deine eigenen Ziele zu verfolgen. Du gewinnst also sicheres Auftreten in Form von Selbstbewusstsein durch Selbstverwirklichung und Verständnis für die anderen. Und genau das fehlt den lieben Sauna-Plaudertaschen gewaltig. Sie sehen leider nur sich und nehmen dadurch nicht wahr, dass um sie herum auch andere Menschen sind, die jedoch ebenfalls zu ihrem persönlichen Erfolg beitragen könnten, wenn sie wertschätzend und wohlwollend behandelt werden würden.


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