Warum Schweigen eine Meisterdisziplin ist

Gepostet von am 15. Mai 2014 in beliebte Themen, Gelassenheit, Karriere & Beruf, Liebe/Beziehungen, Meistergeschichten | Keine Kommentare

Warum Schweigen eine Meisterdisziplin ist

Mit diesem Artikel starte ich eine neue Serie – die Meistergeschichten aus dem Buddhismus und anderen Quellen, die inspirierend sind und zum Nachdenken anregen. Jede Woche erwartet dich eine neue Meistergeschichte.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – so heißt es im Volksmund. Wie geht es dir dabei?

Wie oft ist es vorgekommen, dass du im Eifer des Gefechtes etwas gesagt oder auf WhatsApp, Email, etc. geschrieben hast und dir danach gewünscht hast, es rückgängig machen zu können? Doch welcher Teil von dir ist denn der „Dummschwätzer“ und wie kannst du ihn ausschalten oder zumindest austricksen?

In der Regel gehen voreiligen Worten emotionale Situationen voraus. Das kann ein Konfliktgespräch mit dem Chef, der Kollegin oder dem Partner sein. Das eine Wort gibt das nächste und die Gefühlslawine bahnt sich ihren Weg. Schwupp, ist es auch schon passiert. Das Wort oder der Satz ist raus. Ups…

Nun folgt üblicherweise Flucht oder Schockstarre beim Gegenüber oder bei dir selbst. Die Luft brennt oder wird zumindest recht dick. Doch muss es immer soweit kommen? Könnte es denn auch anders laufen? Wie wäre es, rechtzeitig zu erkennen, dass das Gespräch in die falsche Richtung läuft und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, bevor es eskaliert und die Worte fallen, die besser nicht gefallen wären? Ich habe eine inspirierende kleine buddhistische Geschichte aufgestöbert, die sehr gut verdeutlicht, wie Worte unsere Gefühle steuern. Aber hier, lies einfach selbst.

Kurzgeschichte: Himmel und Hölle

Ein mächtiger Samurai beschloss, seine spirituelle Bildung weiter zu vertiefen. Er machte sich auf den Weg, einen berühmten buddhistischen Mönch aufzusuchen, der als Einsiedler hoch in den Bergen lebte.

Nachdem er ihn gefunden hatte, forderte er ihn auf: „Lehre mich, was Himmel und Hölle sind!“

Der alte Mönch sah langsam zu dem Samurai auf, der über ihm stand und musterte ihn von Kopf bis Fuß. „Dich lehren?“ lächelte er. „Du musst sehr dumm sein, wenn du denkst, ich könnte jemanden wie dich etwas lehren. Schau dich an, du bist unrasiert, du stinkst, und dein Schwert ist wahrscheinlich verrostet.“

Der Samurai geriet in Wut. Sein Gesicht wurde rot vor Zorn, als er sein Schwert zog, um dem lächerlichen Mönch, der da vor ihm saß, den Kopf abzuschlagen.

„Das“, sagte der Mönch daraufhin ruhig, „ist die Hölle.“

Der Samurai ließ sein Schwert fallen. Erst überkam ihn Reue, dann tiefe Zuneigung zu dem alten Mönch.

Dass dieser Mönch sein Leben riskierte, um einen völlig Fremden etwas zu lehren, erfüllte sein Herz mit Liebe und Mitgefühl. Tränen stiegen in seine Augen.

„Und das“, sagte der Mönch, „ist der Himmel.“

 

Verletzter Stolz und gekränkte Eitelkeiten sind in der Regel für voreilige Worte und Taten verantwortlich. Sobald das eigene Ego verletzt wird, versucht es sich durch vermeintliche Schlagfertigkeit zu schützen und das ist meistens nicht hilfreich. Schweigen ist die Meisterdisziplin, weil es enorm schwer ist, in einer Situation, in der man z. B. angegriffen wird, ruhig zu bleiben und zu schweigen. Denn nur allzuoft gilt: schnell gekeift ist schon verloren…

Deshalb ist es sehr sinnvoll, zu erkennen, was das eigene Ego ist und wie stark du dich selbst damit identifizierst. Sobald du erkennst, dass du weit mehr bist als dein Ego (du hast ein Ego, bist es aber nicht), beginnst du damit, es nicht mehr zu nähren, indem du dich auch nicht mehr mit ihm identifizierst. Du kannst durch nichts mehr verletzt werden, als durch deine Gedanken. Dein Ego produziert den ganzen Tag Gedanken aus dem Verstand heraus, die dich glauben lassen, dass das, was es denkt, Tatsachen sind. Aber es sind nur Gedanken.

Wann immer du in eine Situation kommst, in der die Gefühle hochkommen, sage lieber gar nichts als zu schnell das Falsche. Schweigen bringt dich weniger in Teufels Küche als unbedachtes reden. Sage dir selbst in diesem Moment: „Der Meister schweigt“ – dieses kleine Mantra hilft dir, ruhig zu bleiben.

Wenn du jemandem eine Erklärung abgeben musst, dann kannst du auch sagen: „Es tut mir leid, dass Sie den Eindruck haben, dass dies so und so ist. Ich möchte mit Ihnen in einpaar Minuten konstruktiv darüber sprechen.“ Eine vermeintliche Entschuldigung ist kein Schuldeingeständnis. Du sagst lediglich, dass es dir leid tut, dass dein Gegenüber einen falschen Eindruck hat. Das entspannt die Situation vorerst und du kannst in Ruhe nachdenken, was du wirklich gerne sagen möchtest.

Das gilt im Privaten genauso wie beruflich. Schweigen ist eine Meisterdisziplin. Werde du selbst ein Meister und du wirst ein friedlicheres Miteinander erleben. 🙂


Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.