Warum ich mir jeden Monat einen Weltschmerz-Tag gönne!

Gepostet von am 29. Juli 2014 in beliebte Themen, Gelassenheit, Gesundheit, Lebensfreude, Persönliche Geschichten, Selbstbewusstsein | 3 Kommentare

Warum ich mir jeden Monat einen Weltschmerz-Tag gönne!

Von einem Coach für Lebensfreude erwartet jeder, dass ihm die Sonne täglich aus allen Poren scheint und dafür natürlich auch jede Menge Sonnenschein für andere abfällt. Denn Lebensfreude ist bekanntermaßen ansteckend und das sollte man als Lebensfreude-Experte bitteschön auch bewirken. Und wenn uns doch mal der eine oder andere Experte dieser Gattung übellaunig über den Weg läuft, dann zeigen wir mit dem Finger drauf und denken: Ha, da haben wir`s! Der ganze Hokuspokus um positives Denken und immer schön glücklich sein funktioniert ja gar nicht! Alles Humbug! Ach wie wunderbar, wir können also weiter machen wie bisher, denn selbst die vermeintlichen Lebensfreude-Profis können es ja selber nicht.
Tja, für alle, die so denken, ist genau dieser Artikel hier. Denn meine Lieben, wie immer ist nicht alles schwarz oder weiß im Leben. Und Lebensfreude zu leben bedeutet nicht, jeden Tag ein vom einen Ohr zum anderen breites Dauerlachen im Gesicht zu tragen. Es bedeutet vielmehr Freude am Leben zu empfinden – egal, was das Leben dir gerade serviert. Und das Leben besteht aus der Summe der gelebten Tage, Wochen, Stunden. Dabei gleicht nicht einer dem anderen und alles befindet sich im rhythmischen Austausch. Anspannung und Entspannung, Lachen und Weinen, Leben und Tod.

Und selbstverständlich erlebt auch jeder Therapeut, Psychologe, Mentaltrainer und Lebensfreude-Papst hier und da einen Tag mit Kummer, Trauer, Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Wut oder Weltschmerz. Denn wir alle sind Menschen und Gefühle sind menschlich. Emotionen wollen und müssen sogar gelebt anstatt unterdrückt werden. Denn alles, was sich anstaut und unter den Teppich gekehrt wird, lässt uns früher oder später umso heftiger darüber stolpern.

Deshalb gönne ich mir jeden Monat einen Weltschmerz-Tag.

An diesem Tag mümmel ich mich abends in eine Decke ein und lass allen Gefühlen freien Lauf. Meistens fühle ich bereits morgens, dass es sich um einen dieser Tage handelt. Ich nehme mich und mein Umfeld dann auch anders wahr, sehe viel Unrecht um mich herum und in den Medien. Ich selbst bin an diesem Tag natürlich unförmig, alt, hässlich, dumm, einfallslos, untalentiert, inkompetent und überhaupt zu nix zu gebrauchen.
Dann denke ich darüber nach, was mich alles belastet und mir auf der Seele liegt, lege meine schnulzigste Musik ein und heule wie ein Kleinkind mit dutzenden von Taschentüchern. Ich beheule das Elend der Welt, Kriege, Hunger, Leid, Tierquälerei und was mir sonst noch so einfällt. Mein Mann musste erst lernen, mit meinem Weltschmerztag umzugehen und hat mittlerweile den Bogen absolut raus. Er bringt mir dann einen Tee, sagt mir mitfühlend: „Na, isses mal wieder soweit? Weltschmerztag?“ Ich schniefe ein hilfloses „Ja, alles Scheiße!“ und er hört sich meine Heultirade eine halbe Stunde lang an und krault mir die Haare bis ihm Hornhäute an den Fingerspitzen wachsen.

Am nächsten Morgen wache ich auf, bin wieder schlank, hübsch, einfallsreich und fühle mich kompetent und voller Energie, so dass ich Bäume ausreissen könnte. Ich hopse die Treppe runter und freue mich auf den Tag, meine Arbeit und über mein Leben und habe das Gefühl, 100 kg seelisches Gepäck abgeladen zu haben. Mein Mann reisst dann immer den gleichen Witz: „Oh Transformation von Mr. Hyde zu Dr. Jekyll wieder abgeschlossen?“ und lacht.
Für mich hat dieser Tag etwas reinigendes und befreiendes. Ich erlaube mir wirklich alles an Gefühlen zuzulassen, anzuschauen und zu erleben, ohne mich hineinzusteigern. Dafür habe ich aber im Alltag die Möglichkeit, diese Dinge nicht permanent an mich herankommen zu lassen und mich in eine Dauerkrise zu stürzen. Ich nehme wahr, was um mich geschieht und kann es einfach annehmen als Teil unseres Lebens, unserer jetzigen Welt der Polaritäten.

Wir begegnen immer wieder Themen, die uns traurig stimmen und unser Herz zum Weinen bringen. Besonders bei Facebook gehen viele Videos umher, die menschliche Abgründe in Bezug auf Tierhaltung, Kriege und anderes Unrecht zeigen. Wenn du dich jedes Mal emotional darauf einlässt, wird dein Leben konstant von dieser Stimmung geprägt werden. Das, worauf wir wiederkehrend unsere Aufmerksamkeit richten, ziehen wir in unser Leben. Deshalb schränke ich mein Zeitfenster für Weltschmerz ein und habe so die Möglichkeit, öfter meine Wahrnehmung auf all das Schöne und Gute, das ebenfalls immer um uns herum passiert, zu richten.

 


3 Kommentare

  1. Liebe Evelyn, ich danke dir für diesen hilfreichen Beitrag. Eine Frage bleibt für mich jedoch ungeklärt: wie schaffst du es die restlichen 29 Tage des Monats, den Weltschmerz auszublenden?
    Du schreibst, am nächsten morgen fühlst du dich frisch und erleichtert, aber die Tiere werden schließlich immer noch gequält und die Kriege und Abgründe vermehren sich stetig.

    Das würde ich sehr gerne von Dir lernen.
    Lieben Gruß
    Miriam

    • Liebe Miriam,
      ich kann absolut nachvollziehen, was du meinst und wie du das empfindest. Und Leid findet täglich statt! Aber es findet auch jeden Tag so unheimlich viel Gutes statt um dich herum. So viele Menschen, die immer bewusster werden, liebevolle tägliche Augenblicke um uns herum. Ich entscheide mich an allen anderen Tagen bewusst dafür, dem Guten mehr Raum zu geben und meine Aufmerksamkeit zu schenken. Und wenn sich in mir Wut oder Traurigkeit in Bezug auf ein spezielles Thema zu stark regen, dann nutze ich diese Energie, um etwas dagegen zu tun und engagiere mich zum Beispiel bei den vier Pfoten, gehe auf wichtige Demos und schaue, welchen Beitrag ich leisten kann, Schlechtes zu neutralisieren. Das gibt mir Macht! Unser Mitleid hilft niemandem Mitgefühl in Kombination mit Tat schon eher.

      Alles Gute für dich
      Evelyn

  2. Einfach nur Danke!

    Mein Weltschmerz-Tag war der Sonntag.

    https://hochsensibel1753.wordpress.com/2015/07/12/aus-dem-leben-einer-hochsensiblen-2/

    Liebe Grüße,
    Julia

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