Kurzgeschichte zum Loslassen

Gepostet von am 15. Mai 2014 in Gelassenheit, Gesundheit, Meistergeschichten, Persönliche Geschichten | Keine Kommentare

Kurzgeschichte zum Loslassen

Zwei Mönche

Zwei Mönche begaben sich auf Wanderschaft. Eines Tages kamen sie an einen Fluss, an dessen Ufer eine junge Frau in einem wunderschönen Kleid und mit zarten Schuhen stand. Offenkundig wollte sie über den Fluss, doch da das Wasser sehr tief war, konnte sie den Fluss nicht durchqueren, ohne ihre Kleidung zu gefährden.

Sogleich ging einer der beiden Mönche auf die Frau zu, nahm sie auf seine Schultern und durchquerte mit ihr das Wasser. Auf der anderen Flussseite setzte er sie wieder ab.

Nachdem auch der andere Mönch das andere Ufer erreicht hatte, wanderten die beiden weiter und gingen weitere Stunden nebeneinander her und wechselten kein Wort.

Nach vier Stunden platzte es dann aus dem einen Mönch heraus: ” Warum hast du das getan? Du weißt, wir dürfen keinen Körperkontakt mit Frauen haben. Wie konntest du das nur tun?”

Der Mönch, der die Frau über den Fluss getragen hatte, hörte sich die Vorwürfe des anderen geduldig an und antwortete: “Ich habe die Frau vor vier Stunden am Fluss abgesetzt – warum trägst du sie immer noch mit dir herum?” (frei nacherzählt)

 

Loslassen als Schlüssel zu innerer Freiheit

Wie oft ergeht es uns so, wie diesem nachtragenden Mönch? Eine Kleinigkeit passiert und durch unsere Gedanken nähren wir die negative Energie dieser Situation und unser Körper wird durchflutet von negativen chemischen Botenstoffen. Wie oft kreieren wir überhaupt erst im Kopf ein Problem, das vielleicht noch nicht einmal eingetreten ist, sondern möglicherweise eintreten könnte? Aber das Denken an ein mögliches Problem zieht mit hoher Wahrscheinlichkeit dieses Problem erst an und dessen sind wir uns oft nicht bewusst.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Mutter uns einmal besuchte und am Abend versuchte, meinen Vater telefonisch zu erreichen, der zu Hause geblieben ist, weil er noch geschäftliche Verpflichtungen hatte. Nachdem sie ihn bis 19 Uhr nicht erreicht hatte, begann sie sofort Unfallszenarien und alle möglichen Katastrophen in Betracht zu ziehen, die meinem Vater widerfahren sein könnten und sie wurde zusehendes unruhiger, gestresster und aufgebrachter. Ich versuchte sie zu beruhigen und ihr klar zu machen, dass es viel wahrscheinlicher sei, dass mein Vater noch etwas erledigen würde oder einen Spaziergang machte. Aber sie war überzeugt davon, dass es absolut untypisch sei für ihn, um diese Zeit nicht zu Hause zu sein und rief im 5-Minuten-Takt bei ihm an. Als mein Vater dann gegen 20.30 Uhr bei uns zurück rief, machte er sich auch große Sorgen, da er die zig Anrufe von uns auf dem Telefon gesehen hat und natürlich dachte, dass bei uns etwas passiert sei. Er war bei einem Nachbarn auf ein Bier eingeladen worden und hatte die Zeit vergessen. So einfach war das. Keine Unfälle, keine Katastrophen – aber jede Menge negativer Gefühle, Angst und Stresshormone im Körper meiner Mutter.

An diesem Abend musste sogar meine Mutter über sich selbst lachen und darüber, wie sie sich in eine fixe Idee reingesteigert hat.


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