Expertenportrait Dr. Daniel Gärtner – wie gehen Erfolgsmenschen mit Niederlagen um?

Gepostet von am 14. November 2014 in beliebte Themen, erfolgreiche Menschen, Gesundheit, Lebens-Wendepunkte, Lebensfreude, persönlicher Erfolg, Selbstbewusstsein | Keine Kommentare

Expertenportrait Dr. Daniel Gärtner – wie gehen Erfolgsmenschen  mit Niederlagen um?

Dr. Daniel Gärtner arbeitet als Dozent für Sportwissenschaften und Biomechanik an der TU München, ist ehemaliger Weltmeister im Kickboxen, hat zahlreiche weitere sportliche Erfolge erzielt, ist bekannt durch verschiedene Fernsehsendungen wie Galileo und teilt mit uns heute seine Geschichte, die nicht nur von Erfolgen geprägt ist, sondern auch sehr herausfordernde Momente beinhaltete. Er zeigt auf, wie Erfolgsmenschen mit Niederlagen umgehen und wie es ihm gelungen ist, selbst erfolgreich zu werden.

Jeder Mensch steht in seinem Leben immer wieder Herausforderungen gegenüber und auch ich habe Phasen der Erfolge aber auch der Anstrengung, Verzweiflung und des Durchhaltens durchlebt. Heute bin ich als Sportwissenschaftler und Dozent für Biomechanik tätig und lebe meine Berufung, jedoch war der Weg bis hier her nicht immer einfach.

Eine herausfordernde Kindheit „aus dem Lausbub wird nichts“

Als ich noch ein Kind war, wurde ich von meinen Eltern häufig nicht wirklich wahrgenommen. Mit fünf bis sieben Jahren habe ich versucht, Aufmerksamkeit zu erhalten und irgendwie aufzufallen, so dass ich natürlich ein dementsprechend sehr lebhaftes Kind war. Aufmerksamkeit habe ich insbesondere durch meine Streiche in negativer Form erhalten. Das hat sich irgendwann zu einem Ausmaß ausgeweitet, dass meine Eltern schon gar nicht mehr wussten, was sie tun sollten. Dabei habe ich nie etwas Bösartiges im Sinn gehabt, sondern wollte einfach nur wahrgenommen werden.
Bald hieß es auch in meinem gesamten Umfeld, insbesondere der Verwandtschaft, dass man mit „diesem Lausbub nichts anfangen könne.“ Gerade als Kind hat mir dieses Stigma sehr weh getan und ich fühlte mich weniger wert als alle anderen. Ich musste lernen, mit dieser Ablehnung umzugehen und es stellte sich die Frage, wie man so etwas macht. Mit 12 Jahren habe ich einen Karate-Kurs besucht und lernte meinen Großmeister kennen, dem ich viel zu Führung zu verdanken habe. Für mich war dies ein wirkliches Schlüsselerlebnis, denn ich bekam zum ersten Mal die Möglichkeit, meine Energie auf einen bestimmten Punkt und in eine gewünschte Richtung zu lenken und mich zu entfalten. Ich habe damals gespürt, dass ich so akzeptiert werde, wie ich bin mit allen Fähigkeiten, die in mir schlummern. Ich wurde zwar vorher im sportlichen Bereich von meinen Eltern auch sehr unterstützt und war in zahlreichen Vereinen wie z. B. Turnen, Skiverein, Leichtathletik, Fechten und Fußball. Aber bei keiner diese Sportarten fühlte ich mich so angekommen, wie beim Karate und ein Jahr später im gleichen Verein beim Kickboxen.

Der Wendepunkt und eine neue Gemeinschaft im Kampfsport

Im Kampfsport fand ich auch eine wirkliche Gemeinschaft – eine fast familiäre Gemeinschaft, die ich zu Hause teilweise sehr vermisst habe, da meine Eltern beide beruflich sehr eingespannt waren und für mich kaum Zeit hatten. Ich habe mich eher wie ein Ballast gefühlt. Meine Eltern hatten ein Unternehmen, das zu der Zeit Probleme hatte und investierten ihre Energie und Kraft sehr in die Genesung des Unternehmens, so dass für mich wenig Zeit übrig blieb.
Wenn ich jedoch jetzt rückblickend auf meine Geschichte schaue, dann muss ich sagen, dass ich ohne diesen Hintergrund wahrscheinlich auch nie das Bedürfnis entwickelt hätte, mich so zu beweisen und die Leistungen zu erzielen, die ich bisher erzielt habe.
Durch den Verein bekam ich die Möglichkeit, mich sportlich zu entwickeln, an Wettkämpfen teilzunehmen und meine Stärken auszuleben. Sobald ich die ersten Wettkampferfolge als Kickboxer erzielt habe, begann mein familiäres Umfeld sich mir gegenüber ganz anders zu verhalten. Ich bekam auf einmal Bestätigung und Anerkennung für meine Leistungen und Erfolge, wo ich zuvor jedoch meist nur kritisiert wurde.

Daniel GärtnerNachbarn kamen zu mir mit Postkarten und Glückwünschen und das alles hat mir wahnsinnig gut getan. Ich begann langsam meinen eigenen Wert zu erkennen. Früher habe ich immer gedacht, dass ich nicht viel wert sei, doch plötzlich habe ich erkannt, dass ich etwas kann und wertvoll bin. So kam es auch, dass ich einen unheimlichen Ehrgeiz entwickelt und schon als 14-Jähriger jeden Tag mehrere Stunden trainiert habe, was sich leider nicht gerade berauschend auf meine Schulleistungen ausgewirkt hatte. Aber auch diese gingen dann glücklicherweise doch noch recht gut konform mit meinem Leistungstraining. Später bekam ich Zugang zum bayerischen Nationalkader und anschließend zum deutschen Nationalkader, wurde gefördert und qualifizierte mich für bayerischen und deutschen Meisterschaften. 1995 wurde ich mit 14 Jahren zum ersten Mal bayerischer Meister und dann deutscher Meister im Kickboxen, was für mich unbeschreiblich beglückend war. Diesen Erfolg wollte ich mit allen Mitteln ausbauen und nahm zum Kampfsporttraining noch Ballett-Unterricht.

Eine wertvolle Erkenntnis

Mein neuer Ehrgeiz hat sich sodann auch auf andere Lebensbereiche ausgeweitet und ich habe erkannt, dass alles, was machbar und realistisch erreichbar erscheint, von mir auch erreicht werden kann. Mir wurde bewusst, dass ich dadurch mein Leben positiv verändern und gestalten kann. Mit 15/16 habe ich diese Erkenntnis gewonnen. In dieser Zeit fing ich an, mit meinem Sport Geld zu verdienen, indem ich selbst Kampfsport- und Fitness-Kurse angeboten habe. Außerdem hat mich in meinem Leben immer die Showbühne fasziniert. Aus diesem Grund gründete ich mit zwei Kollegen ein Karate-Showteam, das bis in die heutige Zeit Bestand hat und immer wieder gewachsen ist. Auf einer Bühne zu stehen und mein Können zu präsentieren, gab mir immer wieder unheimliche Kraft. Dadurch, dass mir der Sport und andere Ziele sehr wichtig geworden waren, habe ich jedoch in meiner Jugendzeit auch etliche Freunde verloren, da ich mich ganz auf die Ziele fokussiert habe, anstatt wie es unter Gleichaltrigen so üblich war, auszugehen und im Nachtleben aktiv zu sein. Für diesen Ehrgeiz wurde ich mit dem Weltmeister-Titel im Jahr 1999, 2000 und 2001 belohnt und durfte einige wichtige Kämpfe in den USA und in Kanada bestreiten.

Herausforderungen meisternSpäter habe ich das Abitur abgeschlossen und an der TU München Sport auf Lehramt studiert, weil ich unbedingt Sportlehrer werden wollte.
In dieser Zeit war ich natürlich ziemlich eingespannt, aber mir war immer bewusst, dass das Durchhalten und auch mal ein gewisser Leidensweg auf dem Weg zum Erreichen eines Ziels durchaus am Ende belohnt werden, sobald man das Ziel dann erreicht hat.
Nach dem Lehramtstudium habe ich dann parallel dazu die Ausbildung zum staatl. geprüften Sportlehrer gemacht und danach Sport-Management und BWL studiert. Zu dieser Zeit hatte ich damals auch schon einen Lehrauftrag als Sportlehrer an der TU-München. mit der Option auf eine Anstellung. Auf dieses Ziel habe ich mich ziemlich fokussiert. Das Problem war nur, dass man in der Regel im wissenschaftlichen Umfeld nur befristet eingestellt wird. Nach meiner ersten Verlängerung wurde mir dann die Forderung gestellt, zu promovieren und vorher mindestens einen Mastertitel zu erwerben, da ein Lehramtstudium oder ein Bachelor für eine Vertragsverlängerung nicht ausreiche.

Eine einsame Zeit – der Weg in den Burnout

Nun stand ich also vor der Herausforderung, in kürzester Zeit einen Mastertiteil über Fernuniversitäten zu erwerben, die natürlich recht kostenintensiv waren. Um dies zu finanzieren, habe ich nebenbei Kurse in diversen Fitness-Studios gegeben, was natürlich nicht ausreichte und dazu führte, dass ich extrem viele Kurse geben musste, um mein Ziel zu erreichen. Ich habe dann neben meinem Studium zwei Jahre lang abends teilweise bis 23 Uhr in verschiedenen Studios gearbeitet und war an den Wochenende auf Workshops und Seminaren aktiv, bis ich mich komplett ausgebrannt fühlte. Ich fühlte mich schlapp, müde und kaputt und meine wertvolle Beziehung ging dabei auch zu Bruch. Hinzu kam die unschöne Trennung meiner Eltern, für die ich mich plötzlich sehr verantwortlich fühlte. Schlussendlich kündigte die TU dann auch noch an, meinen Vertrag nicht zu verlängern. Das hat mir dann den Boden unter den Füßen komplett weggezogen.

Mein Weg zurück zur Lebensfreude, Kraft und Energie

Ich hatte leider keinen engen Freund in dieser Zeit, der mich hätte aufrichten können und habe versucht, alles mit mir selbst auszumachen und selbst für mich aktiv zu werden. Ich bin leider nicht auf die Idee gekommen, mir externe Hilfe in Form eines Coaches oder Therapeuten zu suchen, sondern habe versucht, mich durch Meditation zu entspannen und beim Sportklettern innere Ruhe zu finden, um meine kreisenden Gedanken zu überwinden. Dies hat mir unheimlich viel mentale Stärke gegeben. Mein Vater hat mich in dieser Zeit finanziell etwas unterstützt, so dass ich wieder auf neue Energie schöpfen konnte.

Zusätzlich habe ich Unterstützung von einer Atemtherapeutin bekommen, die mir dabei half, über die Atmung neue Energien zu erschließen. Mit dieser Kombination habe ich es geschafft, mich langsam aus dem tiefen Tal wieder heraus zu arbeiten.

Als ich dann mit dem Masterstudium fertig war, hat die TU eine Vertragsverlängerung von 2 x drei Jahren gestattet und ich musste dafür noch promovieren. Ich habe die Promotion einfach als neues Ziel wie z.B. eine Weltmeisterschaft betrachtet und mir gesagt: Ich will Weltmeister werden und tue alles, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn ich heute mit Menschen über diese Probleme spreche, dann verstehen die meisten nicht wirklich, was ich eigentlich beruflich mache. Was mir immer wehgetan hat, war die Äußerungen meiner Eltern, Nachbarn und einiger Freunde, die glaubten, ich hätte nichts anderes zu tun, als zu studieren. Dabei habe schon immer gearbeitet und eher nebenbei studiert. Auch die Promotion war eine Nebentätigkeit, die ich parallel zu meiner vollen Anstellung an der TU-München machen musste.

Sport als Wegweiser

Im Sport habe ich gelernt, fokussiert bestimmte Ziele zu erreichen und genau dieses „Schema F“ half mir bisher in allen Lebensbereichen Herausforderungen zu meistern und Ziele zu erreichen. Nach drei Jahren hatte ich die Promotion abgeschlossen und meine Vertrags-Verlängerung bekommen. Nun darf ich weitere 6 Jahre an der TU München als Sportwissenschaftler und Dozent in Biomechanik tätig sein und habilitieren mit der Option, einen Lehrstuhl anzunehmen.

Meine Lektion und Tipps, wie ich weiter geben kann

Wenn ich jemandem Tipps weitergeben sollte auf Basis meines Lebensverlaufs, dann würde ich jedem sehr empfehlen, sich in wirklich schwierigen Lebenslagen Hilfe von externer Seite zu holen und den Mut aufzubringen, diese Hilfe anzunehmen anstatt zu versuchen, sich aus eigener Kraft aus dem Sumpf zu ziehen. Denn wenn die Energiereserven bereits stark aufgebraucht sind, bin ich der Meinung, funktioniert das nicht mehr wirklich.

Der zweite Tipp ist, sich seiner eigenen Verantwortung im Leben bewusst zu werden, anstatt die Verantwortung anderen abzugeben und nach Schuldigen zu suchen. Jeder Mensch ist seines eigenen Schicksals Schmied. Niemand kann dir die Entscheidung abnehmen, etwas aus deinem eigenen Leben zu machen. Wann immer man vor einer Weggabelung im Leben steht, an der eine wichtige Entscheidung fällig ist, kann man nur selbst entscheiden, wohin der Weg von da an gehen soll und niemand sonst. Man kann sich vielleicht Vorbilder nehmen, aber man braucht den Mut, die Entscheidung selbst zu treffen. Für die Entscheidungsfindung kann man natürlich Experten und externe Personen zur Hilfestellung hinzuziehen, aber entscheiden muss man sich letztlich immer in Eigenverantwortung.

 

Expertenportrait Dr. Daniel Gärtner

Daniel GärtnerDr. Daniel Gärtner arbeitet hauptberuflich als Dozent und Forscher an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaft der Technischen Universität München. Nebenberuflich betreut und trainiert er Leistungssportler, leitet Workshops im Kampfsport, Gerätturnen und Fitness, bildet Trainer aus und spricht als Referent über sportwissenschafliche Themen auf Seminaren. Darüber hinaus veröffentlicht er regelmäßig Tipps und Berichte in Sport- und Freizeitmagazinen und ist Buchautor. Er blickt auf 16 Jahre Erfahrung als Kursleiter und Fitnesstrainer zurück. Er wurde als Presenter für “Kickbox-Aerobic” Anfang 2000 bekannt und bildet seit 2004 zum Instructor aus. Seit einigen Jahren ist Dr. Gärtner das Gesicht des Online-Fitnessstudios “Bodyboom“. Als Trainer und Berater entwickelt er Kurskonzepte und dreht Fitnessvideos. In einigen Monaten bringt Dr. Gärtner sein eigenes Sportgerätelable “DG” auf den Markt. Als Showkünstler steht Daniel seit 1998 mit seinem Team “Kun-Tai-Ko” regelmäßig auf der Bühne und begeistert durch faszinierende Kampfkunst-Auftritte.

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Weitere Informationen zu Dr. Daniel Gärtner 


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