Expertenportrait Andreas Buhr – wir tun, was wir lieben, und wir lieben was wir tun

Gepostet von am 3. November 2014 in erfolgreiche Menschen, Gelassenheit, Karriere & Beruf, Lebens-Wendepunkte, Lebensfreude, persönlicher Erfolg, Selbstbewusstsein | Keine Kommentare

Expertenportrait Andreas Buhr – wir tun, was wir lieben, und wir lieben was wir tun

Wie ich ja bereits angekündigt habe, starten wir heute mit einer Portraitreihe über erfolgreiche und inspirierende Persönlichkeiten aus Leistungssport, Unternehmensführung und Persönlichkeitsentwicklung. Ich freue mich, dass ich euch zum Auftakt Andreas Buhr vorstellen darf, einen renommierten deutschen Speaker, Autor und Vertriebsexperten, der in diesem Interview auf eine authentische und sympathische Art aufzeigt, dass Niederlagen auch zum Leben gehören und wie er es geschafft, die Hürden in seinem Lebenslauf zu meistern, was ihm Kraft gab weiterzumachen und welche Tipps er weitergeben kann.

Sie arbeiten u.a. als Coach, Referent und Seminarleiter im Bereich Führung & Vertrieb. Wie haben Sie zu diesem Beruf gefunden?
Wenn ich darüber nachdenke, wie ich dazu gekommen bin, was ich aktuell beruflich mache, dann stelle ich fest, dass ich seit meinem 12. Lebensjahr im Coaching aktiv bin. Ich habe mit 12 Jahren meine erste Nachhilfeschülerin in Englisch und Mathematik unterrichtet, bin später bei der Bundeswehr als Offiziersausbilder Ausbilder für neue Rekruten gewesen, war während meines Studiums Tutor für Mathematik und später Mitbegründer zweier Management-Akademien, für die ich immer auf der Suche nach guten Referenten und Trainern war. Ich war schon immer ein Ausbildungs-Junkie.

Ich habe es genossen, bei Weiterbildungen neues Wissen zu sammeln und Erfahrungen mit anderen zu teilen. Und so reifte dann nach dem Verkauf meines Unternehmens 2005 die Entscheidung: „Mach das, was du schon immer gern getan hast zu deinem Beruf.“ Ich machte also meine Berufung zum Beruf mit der Gründung der Akademie 2005 und bin seither als Trainer, Redner und Autor unterwegs. Ich habe für mich natürlich auch herausfinden müssen, für welche Themen ich stehen will und da ich in meinem Leben nie etwas anderes gemacht habe als zu Verkaufen und Menschen im Verkauf zu führen, ist eben genau dies auch das Thema der Akademie geworden. Wenn ich heute mit etwas Abstand darüber nachdenke, ist das eine ganz logische Verkettung von einzelnen Fähigkeiten und doch hat es eine Zeit gedauert, bis ich selbst dahinter kam. Doch für den Beruf des Redners braucht es ja auch ein bisschen Patina, Erfolge und auch Misserfolge, um auch authentisch Wissen und Erfahrung anbieten zu können.

Sie haben ja im Grunde Ihre Stärken entdeckt und erkannt und in Ihren Beruf verwandelt. Sie haben geschaut, was Ihnen schon immer am meisten Spaß gemacht hat, was Sie schon immer gut konnten, und das war im Grunde: Wissen sammeln, Erfahrungen erleben und dieses Wissen zu teilen.
Niederlagen erlebt jeder Mensch irgendwann, auch Unternehmer und Führungskräfte, aber niemand spricht gern darüber. Welche Niederlagen haben Sie persönlich bereits erlebt und wie konnten Sie damit umgehen?
Wir Menschen haben die Fähigkeit des Reframings. Je länger eine schlimme Erfahrung zurück liegt, desto positiver bewerten wir sie. Wir sagen dann: „Es war im Nachhinein doch alles nicht so schlimm. Das hat uns doch zu dem/der gemacht, der/die wir heute sind.“ Gut dass wir diese Fähigkeit haben, denn ohne sie würden wir wahrscheinlich gar nicht mehr am Morgen aufstehen und weiter machen. Aus meiner Sicht gibt es keine objektive Gegenwart, sondern nur eine subjektive und eine bestimmte Wahrnehmung dessen, was jetzt geschieht und ist. Und dadurch kann es auch keine Vergangenheit geben. Denn Vergangenheit ist in dem Fall eine datengestützte Erinnerung. Und wir neigen dazu, über die Entfernung, diese Daten /Erinnerungen zu verschleiern, weil die Zeit die Wahrheit verwischt.

Es gab einige Dinge, die sehr extrem in meinem Leben waren. ZB. Finanzielle Probleme, großer Ärger mit dem Finanzamt, körperliche Schwierigkeiten und Erkrankungen, energetische Blockaden, eine Fast-Scheidung. Und all diese Dinge kamen auf einmal. Alles gleichzeitig. Ich bin der Meinung, dass sich Dinge gleichzeitig anziehen. Für mich war es sehr extrem, diese Erfahrung in der Summe zu machen. Ganz extrem auch zu erfahren, welche vermeintlichen Freunde dann nicht mehr da waren, und welche Hilfe und Unterstützung von Menschen kamen, mit denen ich gar nicht gerechnet habe.

Was hat Ihnen Kraft gegeben, dies alles durchzustehen?
Ich habe mir zunächst überlegt: Was habe ich selbst im Griff und was kann ich selbst steuern? Und da ich schon immer Sport getrieben habe, ist der Sport auch mein Anker gewesen. Ich habe begonnen, Marathons zu laufen und mich mit körperlichen Themen beschäftigt, um aus dem Kopf und den endlosen Gedanken heraus zu kommen und wieder auf mich vertrauen zu können. Diese intensive Marathonzeit, in der ich mehrere Marathons gelaufen bin, war wie eine Art Prothese für mich, um wieder zurück „ins Spiel“ zu kommen.

Ich habe mir überlegt, was ich wirklich gut kann, wofür andere mich schätzen, was andere über mich sagen, was mir selbst gar nicht bewusst war. Denn genau das ist die klassische unbewusste Kompetenzebene, derer man sich bewusst werden wollte. Diese unbewusste Kompetenz beinhaltet Dinge, die wir immer wieder tun, die uns jedoch so normal erscheinen, dass wir uns ihres Wertes gar nicht bewusst sind. Es gibt ja das wunderbare Zitat: „Lieber Gott, gib mir die Gabe zu schätzen, was ich habe“. Es geht also darum, zu erkennen, was in einem steckt und sich die Frage zu stellen: Was kann ich daraus machen?

Auf diese Weise sind meine Trainings und Bücher entstanden. Ich habe in dieser Zeit für mich gelernt, dass es niemanden gibt, der dich wachküsst, sondern dass du das selbst tun und du an dich selbst glauben musst. Hinzu kommt, dass du z. B. als Redner und Trainer Inhalte authentisch und überzeugend vermitteln musst. Dann entsteht auch die Kompetenzvermutung in den Köpfen anderer. Zusammen gefasst bedeutet es: Erst wenn ich an mich glaube, tun es auch die anderen.
Der Sport war für Sie also eine Möglichkeit, den Kopf frei zu bekommen und durch die Gedankenstille wieder zu Inspiration zu kommen?
Genau. Manchmal muss man einfach mal Gewohnheiten überwinden und etwas komplett anders machen. Mein Weg war über den Sport.

Was haben Sie rückblickend an Erkenntnissen gewinnen können und wie betrachten Sie diese herausfordernde Zeit rückblickend?
Ich habe gelernt, dass das Leben uns trägt. Das heißt, es gibt viel Unterstützung von links und rechts und es gibt eine Resonanz für alles, was du selbst tust und ausstrahlst. Was ich aussende und ausstrahle, das bekomme ich auch zurück. Manche Menschen, die sich abgewendet haben, kamen auch wieder zurück und ich habe mir angewöhnt, das Verhalten anderer nicht mehr zu bewerten. Es gibt da so einen Glaubenssatz, der heißt: „Nicht werten, höchstens wundern.“ Menschen haben im Allgemeinen mit sich selbst genug zu tun und genügend eigene Probleme und Sorgen, so dass ich ihr Verhalten nicht bewerten möchte, weil ich nie wirklich weiß, was wirklich dahinter steckt.

Manche Menschen sind ja auch einfach überfordert bei Problemen oder insbesondere ernsthafteren Erkrankungen nahestehender Personen, weil sie sich hilflos fühlen und nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen und ziehen sich deshalb zurück.
Ja, das stimmt. Wenn Eltern beispielsweise ihr Kind verlieren, dann gibt es ja auch keine Anleitung, wie sie damit umgehen könnten. Es bleibt eine ganz subjektive Erfahrung und da hilft nur Intuition, genau das zu tun, was man selbst für richtig hält. Ruhe, Zeit und das Gespür für den richtigen Moment sind hierbei sehr hilfreich.

Welchen Tipp möchten Sie Menschen geben, die ihrem Leben eine neue Richtung geben wollen oder gerade eine große Herausforderung (z. B. Krankheit, Berufswechsel, Trennung etc.) zu meistern haben?
Beim Beruf des Trainers haben wir ja recht oft die Situation, dass Leute eine Trainerausbildung angehen, weil sie feststellen, dass ihr Beruf sie nicht mehr erfüllt und fordert. Für die Überwindung größerer Herausforderungen ist der klassische Weg, sich einmal bewusst zu werden, was die eigenen Leidenschaften sind, wohin die eigene Energie geht, sich bewusst darüber zu werden, was einem leicht fällt. Leichtigkeit entsteht ja oft aus der Wiederholung heraus. Entsteht die Wiederholung aus Interesse, dann könnte dies ja auch etwas sein, was ich auch anderen nutzbar machen kann.
Es lohnt sich hier, über die Frage nachzudenken: wofür bin ich geboren worden? Was ist meine Aufgabe? Was ist der Sinn dessen, was ich tun soll? Leidenschaft, Emotion, Leichtigkeit und Intuition sind hierbei Schlüsselbegriffe. Ich sage gern: „Wer sich in sein Vorhaben verliebt, dem schiebt sich der Weg unter die Füße.“ Da gehen plötzlich Türen auf, da sind auf einmal helfende Hände und Unterstützer, positive Umstände.

Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht der Glaube oder auch Spiritualität im Leben?
Wenn ich das ganz pragmatisch beantworte, dann sage ich, dass die Fähigkeit zu glauben zweckmäßig ist. Wo ein Glaube ist, da ist auch immer Hoffnung oder sogar Vertrauen. Der Glaube führt zu einem gewissen Grundvertrauen, das dabei hilft, nach vorn zu schauen und positiv zu bleiben. Ob das nun der Glaube an Gott sein muss oder ein höheres Wesen, oder ob es der Glaube an die Zukunft oder die eigenen Fähigkeiten ist, ist dabei nicht so entscheidend. Die Fähigkeit zu glauben ist wie die Fähigkeit zu lieben. Es ist eine Grundeinstellung. Denn wer liebt oder glaubt, der wird auch geliebt und an den wird auch geglaubt.

 

Experten-Profil Andreas Buhr

Andreas BuhrAndreas Buhr ist der Experte für Führung im Vertrieb. Der mehrfach ausgezeichnete Speaker und Trainer, Dozent und Erfolgs-Buchautor ist Gründer und Vorstand der Buhr & Team Akademie für Führung und Vertrieb AG (vormals go! Akademie). Bekannt geworden durch seine Vorträge auf großen Weiterbildungsforen und Kongressen, zählt Andreas Buhr zu den renommiertesten Speakern im Bereich Führung und Vertrieb. In den vergangenen 30 Jahren nahmen mehr als 500.000 Menschen an seinen Veranstaltungen teil.

Zu erwähnen sind zudem seine Aktivitäten in TV und Hörfunk sowie seine reiche Publikationstätigkeit. Er hat zahlreiche Bücher – darunter Business-Best- und -Longseller wie „Die Umsatz-Maschine“ und „Vertrieb geht heute anders“ – geschrieben, ist Herausgeber des renommierten Magazins für Business und Bildung, eines vielgelesenen Blogs über Führung im Vertrieb und die Innovationen und Herausforderungen der Märkte 3.0 sowie des seit 2005 erscheinenden Weiterbildungs-Podcasts COACHCAST®. Als Geschäftsführer des auf Medien für die Business-Weiterbildung spezialisierten go! Live-Verlages ist Andreas Buhr auch verlegerisch tätig. Soeben ist sein neues Buch erschienen „Führung im Vertrieb – 7 Schritte zur einfachen Vertriebsführung

Weitere Links: www.andreas-buhr.com und www.buhr-team.com


Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.