Erfolgreiche Kommunikation oder subtile Kriegsführung?

Gepostet von am 5. September 2014 in beliebte Themen, Karriere & Beruf, Persönliche Geschichten, persönlicher Erfolg | Keine Kommentare

Erfolgreiche Kommunikation oder subtile Kriegsführung?

Jeder von uns strebt danach, von seinen Mitmenschen verstanden und natürlich auch anerkannt zu werden. Die zwischenmenschliche Kommunikation scheint im Grunde ja das ideale Mittel dafür zu sein, genau dies zu erreichen. Wenn, ja wenn nicht genau hier die Tücken lauern würden. Wenn ich mich so umschaue, dann sehe ich, dass gerade die Kommunikation so facettenreich ist wie wir Menschen auch und verstehen tun wir noch lange nicht jeden – auch wenn er die gleiche Sprache spricht.

Ganz besonders haben es mir momentan die Menschen der Gattung „Consensus Subtilus“ angetan – also die Zeitgenossen, die auf ihre ganz eigene und vermeintlich subtile Art Kommunikation betreiben. Manch einer würde sagen, es handelt sich um sehr diplomatische Menschen, ich bin da anderer Meinung. Mich treiben genau jene regelmäßig an den Rand meines Verstandes und kitzeln in mir Emotionen hervor, die lieber in meinen tiefen seelischen Untiefen schlummern sollten.
Denn ich gehöre zur Spezies „Schnatterus Direktus“ und so liegt es also sehr nahe, dass es mir ein tiefes inneres Bedürfnis ist, jederzeit Klarheit zu haben. Ich rede nicht gern um den heißen Brei herum und nenn die Dinge beim Namen. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich schnattere, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Ich versuche jede noch so hässliche Botschaft so hübsch zu verpacken, wie es mir nur möglich ist und wenn nötig, noch ein Schleifchen dran zu hängen. Für mich ist das subtile Kommunikation. Wir nennen die Dinge beim Namen – auch wenn es weh tut – und suchen gemeinsam nach einer Lösung.

subtile KommunikationNun kannst du dir sicher gut vorstellen, wie fruchtbar ein Aufeinandertreffen dieser beiden Gattungen ist. Mr. Subtil trifft auf Mrs. Geradeheraus. Eine wunderbare Mischung, oder? Wenn man dies aus der Beobachterperspektive betrachtet, so könnte man glatt meinen, dass einer spanisch und der andere chinesisch spricht und beide versuchen, einander zu verstehen, bis irgendwann Mr. Subtil durch eine angedeutete Geste, das Zitieren eines gerade passenden Zitats oder einem Schweigen, das alles sagt, den „fruchtbaren“ Dialog beendet. Man nennt dies wohl Sackgasse. Ich neige dazu zu sagen, dass es sich hier um subtile Kriegsführung handelt!

Im beruflichen Umfeld entstehen durch die subtile Kommunikation so viele Verluste auf allen Seiten, dass die Schäden enorm sind. Es wird angedeutet, erwartet, gehofft, ignoriert, hintenrum getuschelt – aber gesprochen? Fehlanzeige. Besonders bitter ist es, wenn ein Angestellter seinen Vorgesetzten auf Verbessungsmöglichkeiten hinweist, anspricht, was ihn aktuell belastet und auch schon Lösungsansätze parat hat und dieser ihm einfach mit den Worten begegnet: „Ich verstehe, ich werde mir Ihr Anliegen durch den Kopf gehen lassen und wir schauen mal.“ Dass es den Angestellten eine Menge Mut, Courage und Nervenstärke gekostet hat, all die Dinge so klar und offen anzusprechen wird vielfach nicht gewürdigt. Stattdessen wird er abgespeist und hingehalten. Alles bleibt offen und vielfach versickert die Angelegenheit im Nirwana des Nichts. Der Vorgesetzte hat auf subtile (diplomatische) Art und Weise klargemacht, dass er keinen Handlungsbedarf sieht und den Dialog auf seine Art beendet. Für den Angestellten ist dies ein klares Zeichen dafür, dass seine Belange nicht ernst genommen werden.

Ich habe bereits erlebt, wie ein wahrer Meister der subtilen Kommunikation das angesprochene Anliegen eines anderen „erledigt“ hat. Reaktion Nr. 1 auf das Anliegen waren ähnliche wie oben genannten Worte: „Ich verstehe, ich werde mir das mal durch den Kopf gehen lassen und dann sprechen wir weiter.“ Gesprächsgrund war übrigens das Sozialklima im Unternehmen. Reaktion Nr. 2 war, dass am Folgetag ein Ausdruck in der Kaffeeküche hing mit folgender Aufschrift: „Wenn du am Morgen aufstehst, dann sage Dank für das Morgenlicht, für dein Leben und deine Kraft. Sage Dank für deine Nahrung und für die Freude am Leben. Und wenn du keinen Grund zur Dankbarkeit siehst, dann liegt der Fehler bei dir.“ (Tecumseh)
Der Betroffene hat am gleichen Tag gekündigt.

Subtile Kommunikation hat in der Regel zum Ziel, Konflikte nicht hochzukochen, sondern zu vermeiden und doch bewirkt sie auf Dauer genau das Gegenteil. Derjenige, der auf diese Weise kommuniziert, hofft, dass sein Gegenüber seine Zeichen deuten kann und dadurch deutlichere Worte überflüssig werden. Doch meistens kommt die gewünschte Botschaft eben doch nicht an und so staut sich bei Mr. oder Mrs. Subtil die negative Energie regelrecht an – was sich natürlich in der Ausstrahlung und im Verhalten widerspiegelt. Konflikte werden auf diese Weise gehortet und nicht gelöst, bis einem irgendwann sprichwörtlich der Kragen platzt. Dann ist Holland in Not.
Manche wenden die subtile Kommunikation jedoch an, weil sie sich anderen überlegen fühlen. Sie weichen aus, taktieren und halten hin. So umgibt sie ein gewisser Schleier des Undurchsichtigen, Geheimnisvollen und Bedachten. Doch dieser Zauber hält nicht lange. Sobald die Menschen ihres Umfelds diese Art der Kommunikation durchschaut haben, verlieren sie die Achtung vor diesem Menschen und die Glaubwürdigkeit schwindet mit ihr. Niemand will auf Dauer nicht ernst genommen und belächelt werden. Im Grunde wünschen wir uns doch alle Klarheit und das Gefühl zu wissen, woran wir dran sind.

 


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