Die besondere Weise des Sehens – Weisheitsgeschichte

Gepostet von am 27. Mai 2014 in Gelassenheit, Glaubenssätze, Lebensfreude | Keine Kommentare

Die besondere Weise des Sehens – Weisheitsgeschichte

Diese kleine Weisheitsgeschichte von Anthony de Mello finde ich sehr berührend. Es geht darum, wie wir die Welt wahrnehmen. Wir können dies über unseren Verstand tun oder alles einfach in seiner Ganzheit betrachten. Aber lies selbst:

Es war Vorlesungszeit, als der Meister ausführte: „Der Genius eines Komponisten findet sich in den Noten seiner Musik, doch eine Analyse der Noten wird sein Genie nicht erkennbar machen. Die Größe eines Dichters liegt in seinen Worten, dennoch wird eine Untersuchung der einzelnen Worte seine Inspiration nicht hervortreten lassen. Gott offenbart sich in der Schöpfung, doch erforsche die Schöpfung so genau, wie du nur kannst, du wirst Gott nicht finden können, ebensowenig wie du die Seele durch eine gründliche Untersuchung deines Körpers entdecken wirst.“

Bei der anschließenden Diskussion war die erste Frage eines Schülers: „Wie können wir dann Gott finden?“

„Dadurch, dass wir die Schöpfung betrachten, und nicht, indem wir sie analysieren.“

„Und wie betrachtet man sie?“

„Die Schönheit des Sonnenuntergangs begreift man nicht, solange man die Sonne und die Wolken, den Himmel und den Horizont begutachtet. Denn Schönheit ist kein „Ding“, sondern eine besondere Weise des Sehens, ähnlich der kleiner Kinder, deren Sicht nicht von vorgefertigten Lehren und Überzeugungen verstellt ist.“

Der Blick für das Wesentliche

Wie oft passiert uns etwas ganz Wunderbares und wir zerdenken oder zerreden es und rauben diesem wundervollen Geschehen den Zauber? Viele beschäftigen sich so intensiv mit dem Leben und dem Leben nach dem Tod, dass sie ganz und gar verpassen, ihr tatsächliches Leben auch zu leben. Stattdessen überlegen sie, was danach kommt und wie sie dieses „danach“ selbst positiv beeinflussen können.
Doch das Leben passiert uns jeden Tag und es passiert auch wenn wir uns beschäftigt halten mit zuviel Arbeit, Zukunftsvisionen und wichtigen Plänen. Der Unterschied ist nur, dass wir gar nicht merken, wie unser Leben an uns vorbei rauscht, während wir die Zukunft zu gestalten versuchen.

Neulich sagte mir ein lieber Freund: „Evi, wenn du mich in acht Monaten siehst, dann wirst du einen veränderten Menschen vor dir sehen.“ Sein Plan ist, irgendwann einen Sollzustand zu erreichen, indem er beruflich endlich das macht, was ihm wirklich von Herzen Freude bereitet und auch sein Privatleben so lebt, dass er sich selbst treu bleiben kann. Und auf dem Weg zu diesem Zustand arbeitet er wie verrückt und kreiert seine eigene Karrussellfahrt des Lebens. Ich habe gefragt: „Was ist, wenn du keine acht Monate mehr hast?“ Denn wir wissen nie, wie lange wir hier sein können, um unsere Pläne und Ziele zu verwirklichen.

Uns wird das Leben von Moment zu Moment geschenkt und wenn wir den Weg zum Ziel nicht bewusst wahrnehmen und schätzen, dann verpassen wir zu leben.

 

 


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