Warum es uns schwer fällt, Freunden Erfolg zu gönnen

Gepostet von am 27. Januar 2013 in beliebte Themen, Freunde, Karriere & Beruf, persönlicher Erfolg | Keine Kommentare

Warum es uns schwer fällt, Freunden Erfolg zu gönnen

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, warum es uns schwer fällt, unseren Freunden Erfolg zu gönnen oder diesen sogar zu unterstützen? Wie geht es dir dabei, wenn ein guter Freund, den du Jahre lang kennst und mit dem du in der Jugendzeit vielleicht um die Häuser gezogen bist und mit all seinen guten und weniger freudvollen Seiten kennst, nun plötzlich Erfolg und Wohlstand erfährt?

Wahrscheinlich würde es dir schwer fallen, deinem Freund diesen Erfolg zu gönnen, so wie es den meisten von uns geht. Aber warum ist das so? Diese Frage hat mich sehr beschäftigt, da ich auch in meinen Coachings gesehen habe, dass ab und zu Menschen, die eine tolle Entwicklung durchlebten und danach erfolgreich in verschiedenen Bereichen wurden, plötzlich wieder bei mir zum Coaching antraten, weil sie auf ihrem Weg zum Erfolg langjährige Freunde verloren hatten. Sie fragten sich, ob sie sich durch den Erfolg verändert hätten und konnten nicht verstehen, dass sie in ihrem Umfeld an Beliebtheit einbüßen mussten und nun diese vertrauten Menschen nicht mehr an ihrem Leben teil nehmen wollten.

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Erklärung

Eine Erklärung dafür, dass es uns schwer fällt, guten Freunden den Erfolg zu gönnen ist, dass wir gewohnt sind, uns vertraute Menschen in ihren bestimmten Rollen wahrzunehmen, die in eine bestimmte Lebensweise eingebunden ist. Wenn nun unser Freund seinen Horizont erweitert oder irgendwelche Leistungen hervorbringt, zu denen wir theoretisch ebenfalls in der Lage wären, dann nehmen wir das unbewusst als eine Art Bedrohung wahr. Es ist so ähnlich wie mit dem Propheten, der im eigenen Land nichts gilt. Unbewusst gibt uns also unser Freund das Gefühl, weniger „gebacken zu kriegen“ als er und das fühlt sich logischerweise nicht berauschend an.

Übersteigen die Fähigkeiten unseres Freundes hingegen unsere Fähigkeiten und die der Allgemeinheit um Längen (Freund ist also Genie), dann sind wir eher bereit, dies zu unterstützen, weil dann dessen Glanz auch auf uns abfärbt. Je näher also die Fähigkeiten und Begabungen unseres Freundes an unseren eigenen liegen, desto mehr bekommen wir das Gefühl, schlechter dazustehen oder weniger erfolgreich zu sein als der Freund und das zu ertragen erfordert unheimliche innere Größe.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Ein Kommilitone von dir wurschtelt sich mehr schlecht als recht durch das Studium und besteht mit ach und krach das Diplom. Zu Studienzeiten seid ihr ein gutes Team gewesen und habt regelmäßig zusammen eure Freizeit verbracht. Ihr mochtet euch also. Eine Gefahr war dein Freund für dich nie und du hast sogar versucht, ihm dabei zu helfen, letztlich das Diplom zu schaffen. Im Berufsleben jedoch schafft nun dieser Freund es durch günstige Umstände, ein gutes Händchen und Unternehmergeist, ein lukratives  Unternehmen zu gründen und verdient damit Millionen. Er wird als Unternehmer des Jahres ausgezeichnet und in der Wirtschaftspresse als Erfolgsbeispiel herangezogen. Während du nun das Studium als Jahrgangsbester absolviert hast, arbeitest du als Angestellter im Management eines Großkonzerns, verdienst zwar recht gut, arbeitest jedoch auch regelmäßig 60-65 Stunden die Woche. Gönnst du nun diesem Freund aufrichtig den Erfolg? Oder kann es sein, dass du dir denkst: „Wie konnte es dieses Schlusslicht so weit bringen? Das ist doch ungerecht!? – Ohne mich hätte er nichtmal das Diplom geschafft!“

Dass dieses „Schlusslicht“ Talente hat, die im Studium nicht offensichtlich wurden und dass er tatsächlich aus eigener Kraft diesen Erfolg (z. B. durch eine gute Geschäftsidee und den Mut, etwas zu wagen) erzielt hat, wird dir nicht unbedingt in den Sinn kommen, denn du hast als letzte Information über deinen Freund „Schlusslicht“ abgespeichert und das hängt ihm nun nach. Wir trauen unseren Jugendfreunden nicht zu, dass sie sich weiter entwickelt haben und stellen immer eine Verknüpfung zu der Vergangenheit her und zu dem Image, das wir eben früher von ihnen hatten. Es ist einfach ein Vorurteil, das hartnäckig bestehen bleibt. Schon Albert Einstein sagte einst: „Es ist leichter ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil.“

Würdest du dich von einem Freund operieren lassen, der als Medizinstudent keine Party und keinen Cocktail ausgelassen hat und es mit dem Studium ebenfalls nicht unbedingt sehr ernst genommen hat? Stell dir vor, du begegnest ihm nach Jahren an der Uniklinik als Oberarzt und er soll dein Knie operieren. Wahrscheinlich würdest du lieber einen anderen Arzt bevorzugen, weil du deinem Freund diese Kompetenz nicht zutraust und ihn immer noch als Hallodri von früher abgespeichert hast.

 

Prominente Beispiele von „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“

buddhaGroße Propheten wie Muhammed, Jesus, Siddharta (Budda) oder auch Sokrates galten ebenfalls nichts im eigenen Land und wurden sogar teilweise aus ihrer Heimat vertrieben, weil die ihnen vertrauten Menschen sie als Wichtigtuer und Besserwisser abgestempelt haben und ihr Denken zu sehr vom Allgemeindenken abwich. Wir Menschen akzeptieren einen ausländischen Experten eher als unseren langjährigen Freund oder Studienkollegen. Selbst wenn dessen Gedanken und sein Wissen fortschrittlicher sind als die anderer Experten.

 

Erfolg von Kollegen & Mitarbeitern

In Unternehmen werden oft Fachkräfte oder Führungskräfte von Extern eingestellt, weil man den eigenen Mitarbeitern diese Fähigkeiten  nicht zugestehen kann. Dabei hat jedes Unternehmen auch intern das Potenzial, diese Stellen zu besetzen, wenn die entsprechenden Menschen tatsächlich gefördert und protegiert werden würden und nicht am Ego des Vorgesetzten scheitern würden.

Den Coachingteilnehmern, die zu mir kommen, um zu verstehen, warum sie ihre Freunde nun verloren haben, kann ich nur eins auf den Weg geben: „Es kommen neue Freunde“. Wann immer wir uns weiter entwickeln als unsere „Stammesmitglieder“, müssen wir auch bereit sein, einen weiteren Schritt zu wagen und auch Dinge oder Menschen loszulassen. Manche unserer Freunde inspirieren wir durch unseren Erfolg dazu, ebenfalls ihr Potenzial zu entfalten und ihre eigenen Möglichkeiten zu nutzen. Zu diesen Freunden flammt die Beziehung wieder auf und wird reifer. Andere Freundschaften verlieren sich auf diesem Weg zugunsten neuer Freundschaften. Wir ziehen immer die Menschen in unser Leben, die wir zu der jeweiligen Zeit auch brauchen und die mit unserer Entwicklung in Resonanz stehen. Jeder Mensch steht auf seiner Bewusstseinsstufe und manche entwickeln sich eben schneller weiter als andere und es fällt uns schwer, dies mental anzunehmen.

 

Mein Fazit

Hast du nun einen Freund oder eine Freundin, die plötzlich erfolgreich wird, dann ist dies eine gute Übung für dich, sie auf ihrem Erfolgsweg zu begleiten und sie als Ansporn zu nutzen, um dein eigenes Potenzial zu entfalten. Gleiches zieht Gleiches an. Das ist das Gesetz der Resonanz. Der Erfolg deines Freundes ist immer auch eine Einladung zu innerem Wachstum an dich. Die Frage ist nur, ob und wann du sie annehmen möchtest.


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