Vom Glückstrend zum Glücksdruck

Gepostet von am 31. Januar 2013 in beliebte Themen, Gelassenheit, Glaubenssätze, Lebensfreude, persönlicher Erfolg, Top 10 Listen | Keine Kommentare

Vom Glückstrend zum Glücksdruck

Egal welche Zeitschrift du aufschlägst, du kannst mit großer Sicherheit erkennen, wie sich der Glücktrend ausbreitet und sich langsam aber sicher zum Glücksdruck ausweitet. Glück scheint bereits unsere Bürgerpflicht zu sein und ganz fortschrittliche und zeitgemäße Arbeitgeber verordnen ihren Mitarbeitern auch schon Auszeiten, in denen sie sich gezielt um ihren Happieness-Faktor kümmern sollen. „Herr Schulz, Sie müssen schon etwas für Ihr Glück tun, von allein wird das nichts! Hier die Visitenkarte eines wirklich guten Glückstrainers. Gehen Sie doch mal hin. Sie könnten es gebrauchen.“ Selbst wenn du bis dato noch keinen Zweifel daran hattest, dass deine Welt so wie sie ist, in Ordnung sei, weißt du es nun endlich auch offiziell: was dir fehlt ist Glück! Aber zum Glück ist das gute Glück momentan im Ausverkauf, denn nahezu an jeder Ecke begegnet dir ein Glücksbote, der deinem Glück auf die Sprünge helfen möchte. Von der Glücksdiät über Glücks-Yoga, den Glückskuchen, die Glücksformel bis hin zu Glücksratgebern. Du brauchst nur noch zuzugreifen.

Fassen wir kurz zusammen:

Wir haben also alle Hände voll zu tun, die täglich zunehmende Informationsflut zu bewältigen, unsere immer währende Erreichbarkeit sicherzustellen, im Job Ironman zu sein (denn die Extrameilezu gehen ist Schnee von gestern), unsere Frau oder unseren Mann mental und sexuell möglichst oft glücklich zu machen, unseren Kindern ein soziales, emotionales und kognitives Vorbild zu sein, einen konturierten Körper zu besitzen und dabei vor Glück zu strahlen, als hätte uns jemand beide Mundwinkel an die Ohren getackert.

Ist also unser erklärtes Lebensziel das dauerhafte und nie aufhörende Glück?

FreudeIch bin der Meinung, dass das wesentliche Problem im Leben vieler Menschen die ewige Suche nach dem Mehr darstellt. Und dazu zählt zwangsläufig auch der Wunsch nach mehr Glück. Unter Glück verstehen die meisten Menschen einen Zustand dauernder Glückseligkeit, guter Laune, ein Leben ohne Konflikte und Probleme.
Es gibt Tage, an denen ich zum Beispiel gestresst bin, weil ich mir zu viele Termine aufgehalst habe oder weil ich mein Zeitmanagement nicht im Griff habe, an denen mich die Streitereien meiner Kinder in den Wahnsinn treiben, an denen ich die Übellaunigkeit mancher Leute nicht ertrage oder an denen mich einfach alles nur zu nerven scheint. An diesen Tagen strahlt das Glück bei mir nun leider nicht aus allen Poren und dann höre ich nicht selten: „Aber gerade du müsstest doch wirklich gelassen bleiben können und alles mit einem Lachen tragen.“ So, muss ich das?

Auch wenn ich die Regeln der positiven Einstellung kenne, so bin ich immer noch ein Mensch und erlaube mir das Mensch sein. Und genau das ist auch ein großes Missverständnis: Lebensfreude zu besitzen bedeutet nicht, jeden Tag wie ein Honigkuchenpferd zu strahlen und alle Probleme des Lebens zu verleugnen sowie negative Gefühle zu verdrängen. Alles im Leben ist ein rhythmischer Austausch. So wie Yin und Yang, bitter und süß, heiß und kalt, hell und dunkel. Wie können wir Freude empfinden und auch als solche spüren, wenn wir die Traurigkeit nicht zulassen? Welche Bedeutung hat Licht, wenn man nie die Dunkelheit gesehen hat? Wie ist Wachstum möglich, wenn alles immer optimal ist?

Wenn wir uns selbst in ein Gefängnis der Selbstoptimierung sperren, dann lenken wir uns selbst durch die andauernde Beschäftigung mit einem Wunschzustand vom Sein ab. Vom tatsächlichen So-Sein, von unserem eigentlichen Selbst. Wir befolgen dann Regeln anderer und gehen ihren Weg, der nicht automatisch auch unserer sein muss. Jeder von uns ist individuell und es gibt kein Patentrezept des Glücks für alle. Genau aus diesem Grund kann auch ein Glücksratgeber niemals mehr als ein Impuls für uns sein, unseren eigenen Weg zu finden und uns selbst treu zu sein.

Lebensfreude versus Glück

LebensfreudeIch bin ein Verfechter der Lebensfreudeder Freude am Leben – so wie es ist. Dazu gehören die freudvollen sowie die leidvollen Erlebnisse und Erfahrungen im Leben, die Freude und die Schmerzen, das Lachen und die Tränen, das Bekommen sowie das Loslassen. Und es ist möglich, Freude am Leben zu haben und dennoch dankbar zu sein für alle Krisen und Herausforderungen, die das Leben uns schenkt. Es mag verwunderlich klingen, Krisen als Geschenk anzunehmen, aber sie sind es, denn gerade unsere Tiefpunkte im Leben bescheren uns Entwicklung und persönliches Wachstum.

Doch die Fähigkeit, auch die schmerzlichen Erfahrungen im Leben anzunehmen und zuzulassen, ist eine Kompetenz, für die man Vertrauen braucht. Vertrauen in das eigene Sein und den Sinn des Lebens. Solange wir versuchen, alles in unsrem Leben zu kontrollieren und zu steuern, haben wir wirklich alle Hände voll zu tun. Das Leben inhaliert uns und wir rudern und rudern und rudern ohne die wirkliche Richtung zu kennen. Wir versuchen einfach von Erfolg zu Erfolgsmoment zu gelangen und unsere Taschen unterwegs bestmöglich zu füllen. Und am Ende unserer Reise stehen wir dann doch alle am gleichen Punkt. Die Reichen wie die Armen, die Glücklichen wie die Unglücklichen, die Dicken wie die Dünnen und die Schlauen wie die weniger Schlauen 😉

Selten hört man Menschen in ihren letzten Tagen oder Stunden sagen, dass sie sich gewünscht hätten, noch einige Überstunden mehr geleistet haben zu können oder noch etwas mehr Zeit mit ihren Kunden in Hotels und Meetings verbracht haben zu können oder doch noch einen Barren Gold mehr besitzen zu können. Am Ende unsere Reise bleiben uns unsere Erinnerungen und die Liebe der Menschen, die unsere Gefährten und Begleiter waren. Erfahrungen und Erlebnisse sind die wahren Schätze eines Menschen. Die Menschen, die selbst die tiefsten Abgründe gesehen haben, sind oft die besten Lehrer. Denn sie haben wirklich eine Botschaft. Sie kennen den Weg und sind bereits einen Schritt weiter als man selbst, während man noch an diesem Abrund steht.
Wie schön ist es also am Ende seiner Lebensreise sagen zu können: Ich habe gelebt. Ich habe wirklich gelebt. Alles Seiten des Lebens und alle Facetten. Ich kenne alle Gefühle, habe mein Bestes gegeben und meine Talente genutzt. Ich habe geliebt und ich habe getrauert, ich habe bekommen und ich habe verloren und alles war gut und kam immer zur richtigen Zeit. Ich durfte meinen Weg gehen.

Mein Fazit

Lass dich nicht vom Glücks-Hype infizieren. Du hast keine Verpflichtung dazu, dauerhaft glücklich sein zu müssen. Erfreue dich am Leben und versuche, das Beste aus dem zu machen, was dir gegeben ist. Damit meine ich deine Talente und Fähigkeiten. Versuche herauszufinden, was dein persönlicher Auftrag im Leben ist, was also dein eigener Weg ist und gehe ihn anstatt dich von anderen antreiben oder verbiegen zu lassen. Den eigenen Weg zu finden, bedeutet nicht, etwas absolut Niedagewesenes oder Herausragendes entecken zu müssen. Der einfachste Weg ist, einfach das zu tun, was einem leicht fällt und Freude macht.

Hier meine persönliche Liste der 10 Tipps, den eigenen Weg zu gehen:

 

10 Tipps den eigenen Weg zu gehen

  • Bleibe dir selbst immer treu.
  • Betrachte Herausforderungen als Einladung zum Wachsen und lerne aus ihnen.
  • Leben nach deinem eigenen Biorhythmus.
  • Verfolge deine Träume.
  • Wenn dir etwas im Leben fehlt, dann gib genau davon an andere ab und es kehrt zu dir zurück. (z. B. Anerkennung, Lob, Liebe)
  • Schaffe dir Zeitfenster für deine persönlichen Freuden und Hobbies.
  • Schließe dich Gruppen gleichgesinnter Menschen an. Geselligkeit und Gemeinschaft sind Kraftquellen.
  • Schenke deinen Glaubenssätzen Beachtung und löse so deine Blockaden.
  • Tue soviel wie möglich bewusst und mit Freude anstatt nebenbei. (Arbeit, Gespräche, Essen)
  • Erkenne deine eigenen Leistungen und deinen Wert an. (Andere geben dir nur den Wert, den du dir selbst gibst.)

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