Hahnenkämpfe im Büro: Was du über Männerrivalitäten wissen solltest

Gepostet von am 15. September 2013 in beliebte Themen, Gelassenheit, Karriere & Beruf, persönlicher Erfolg, Top 10 Listen | Keine Kommentare

Hahnenkämpfe im Büro: Was du über Männerrivalitäten wissen solltest

Wir sehen es im Tierreich – Während Männchen eifrig um die Gunst der Weibchen buhlen und nichts unversucht lassen, die Aufmerksamkeit der angebeteten und fortpflanzungswilligen Artgenossin für sich zu gewinnen, sind diese wiederum damit beschäftigt, sich in Ruhe gegenseitig zu lausen oder genüsslich ein Schläfchen zu halten.
Bei den Männchen hingegen geht es gerade jedoch um ALLES – um`s Eingemachte sozusagen. The winner takes it all, während der Verlierer sein Bündel packt und weiterzieht – gleich nachdem er seine Zähne vom Boden aufgesammelt hat – wenn er denn dazu noch imstande ist.
Während sich die Weibchen in Gruppen zusammen rotten und einen Plausch halten, retten Männchen konstant Leben, jagen, kämpfen und genießen dann die Aufmerksamkeit, wenn ihre Wunden von der ganzen Gruppe (Weibchen natürlich) wieder zusammengeflickt werden.
Vielleicht magst du jetzt denken, dass dies wieder einmal ein Emanzen-Artikel ist, bei dem alle schon zigfach durchgenudelten und abgedroschenen Klischees erneut durchgezogen werden, um dann am Ende uns Frauen wieder in ein besseres Licht rücken zu können – doch Pustekuchen, darum geht es mir nicht. Ehrlich gesagt ist es mein Ziel, dir (als Mann) aus der Sicht eines neutralen Beobachters dabei zu helfen, einen Weg zu finden, das Leben entspannter, gelöster und leichter zu erleben und Hahnenkämpfe im Büro den anderen zu überlassen.

Wie läuft es denn tatsächlich im Berufsleben ab zwischen den Kollegen?

Wie oft passiert es, dass ein Mann seinem soeben beförderten Kollegen auf die Schulter klopft und aufrichtige Freude mit ihm teilt: „Mensch, wenn das einer verdient hat, dann ja wirklich du, Peter. Ich freue mich total für dich.“ Stattdessen rattern dann schon eher diese Gedanken durch den Kopf: „Wie kann ein solcher Dünnbrettbohrer denn diesen Job kriegen? Ich kann es einfach nicht fassen, dass DER und nicht ich diesen Job bekommen hat.“

Bild von: http://bob-cartoon.blogspot.ch/

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Unbewusst ist alles im Leben eines Mannes Wettbewerb und der Mann erfährt sich selbst als das, was er ist, nur im direkten Vergleich zu anderen Artgenossen. Hat der Kollege den Giftzahn als Sekretärin, dann ist man selbst besser dran, ist das Auto des Nachbarn PS-stärker, dann besteht Handlungsbedarf. Werde ich befördert, dann bin ich ein Gewinner, wird der andere befördert, dann kann es kaum schlimmer kommen – außer man hat den Giftzahn geheiratet…

Männer empfinden sich im Beruf oft als Einzelkämpfer. Sie gehen ihren Weg und meistern Herausforderungen allein. Meistens haben sie ein klares Ziel vor Augen und das ist der Weg nach oben. Taucht jedoch ein ambitionierter und auf Augenhöhe tätiger Kollege aus dem Nichts auf, fühlt sich dieser Weg plötzlich steiniger an. Nun gilt es, das Waffenarsenal des Konkurrenten (Fähigkeiten, Stärken, Know-How, Netzwerke, Sympathiepunkte etc.) genauestens zu erkennen, um dann selbst aufzurüsten. Das Ziel ist selten, die Stärken beider zu verbinden, um dann gemeinsam das bestmögliche Resultat für die Abteilung, den Kunden, das Produkt etc. zu erzielen, sondern das Ziel ist, den anderen zu übertreffen. Im besten Fall profitiert das Unternehmen von zwei Ehrgeizlingen, die die Effizienz-Zeiger an den Anschlag bringen. Im schlimmsten Fall behindern sich die Kollegen gegenseitig und gefährden das Projekt, vermiesen die Stimmung und verschleißen ihre Kräfte.

Doch was steckt hinter diesem Verhalten und wie kann Mann das stoppen?

Schon als Kinder erfahren Jungs, dass es cooler ist, stärker zu sein und dass ihnen Hänseleien und Spott eher erspart bleiben, wenn sie besser, stärker, cooler oder selbst der Anstifter sind. Manche machen sich durch besondere Leistungen unangreifbar wie z. B. im Sport oder in Schulfächern. Sie sind dann wertvoll für die Gemeinschaft, weil sie z. B. Nachhilfe geben oder die Klasse insgesamt besser dastehen lassen im Vergleich zu den anderen Klassen. Manche versuchen durch Humor und flotte Sprüche oder auch durch besondere Ideen Anerkennung der Gleichaltrigen zu bekommen. Und manche haben weder vom einen noch vom anderen etwas zu bieten, sondern werten sich selbst durch das Abwerten anderer auf. Sie tun dies, weil sie es vielleicht zu Hause nicht anders erleben.

AnerkennungAlle Menschen, Männlein wie Weiblein haben eins gemeinsam, und das ist der Wunsch nach Anerkennung. Wir wollen von der Gruppe, in der wir uns befinden, anerkannt werden. Und um Anerkennung zu bekommen, ergreift jeder von uns seine ganz individuellen Maßnahmen – je nach Konditionierung, Glaubensmustern und Erfahrungen. Während Frauen Harmonie in der gesamten Gruppe anstreben und von allen anerkannt werden wollen, streben die Männer hingegen unbewusst die Alpha-Rolle an, die zunächst über die Anerkennung des amtierenden Alpha-Männchens führt.
Männer sind Spezialisten im Konzentrieren auf das Wesentliche. Insofern verwenden sie kaum Energie in stimmungsbildende Maßnahmen unter Kollegen, sondern investieren ihre Reserven in „wichtige“ Visionen und Aktivitäten. Und diese sind größtmögliche Anerkennung vom Ranghöheren. Um diese Anerkennung zu erreichen, wird entweder jeder Mitbewerber um diese „Beute“ ausgebremst, ausgeschaltet oder überholt. Zu sehen ist dies im wirklichen Leben täglich in Konferenzen, Meetings, Präsentationen und anderen Zusammenkünften. Ich durfte schon etlichen dieser Begegnungen beiwohnen und welches Schauspiel sich da so das ein oder andere Mal ereignet hat, ist sicherlich mehr als aufschlussreich gewesen.
Schon zu Beginn eines solchen Zusammentreffens wird geklärt, wer der Silberrücken der Veranstaltung ist. Auch ohne Worte ist dies schon sehr schnell am Verhalten der Beteiligten ablesbar. Die Rangniederen umranden den Ranghöheren und bei jeder relevanten Bemerkung wird der Blickkontakt zum Ranghöheren gesucht. Hierbei versuchen alle Beteiligten nach zustimmenden oder ablehnenden Gesten Ausschau zu halten, um das eigene Verhalten auf die Vorstellungen des „Silberrückens“ auszurichten und so Anerkennung zu erfahren. Jeder versucht nun seinen Redeanteil so hoch und gut wie möglich zu halten, um dadurch möglichst viel Wirkung beim Ranghöheren zu entfalten. Und natürlich lässt der eine oder andere es sich nicht nehmen, den Mitstreiter (z.B. Kollegen) in einem ungünstigeren Licht dastehen zu lassen, in dem man dessen Aussagen hinterfragt, abtut oder ins Lächerliche zieht.

konkurrenzkampfUnsere Gesellschaft formt und prägt unser Denken maßgeblich. Als kleine Kinder erfahren wir, was uns Anerkennung einbringt und was auf Ablehnung stößt und wir sind konstant bemüht, das zu tun, was uns Anerkennung verspricht. Jungs messen konstant ihre Kräfte. Auf dem Pausenhof, im Verein, zwischen Geschwistern und später im Büro. Heute eher mental als physisch in Form von Dominanz, Dynamik, Ignoranz, Ironie, Sarkasmus, Ausgrenzung, Überlegenheit usw. Unsere Waffen sind schon längst keine Krallen und Hauer mehr – nein unsere Waffen sind unser Verstand (wenn auch nicht immer scharfsinnig) und Worte sowie Gesten. Eine kritische Frage in Richtung des Kontrahenten vor versammelter Mannschaft, ein abschätziger Blick, eine zynische Bemerkung oder ein Witz auf Kosten des anderen reichen manchmal schon aus, um die Kollegen schlechter dastehen zu lassen. Oft passiert dies sogar unbewusst und nicht willentlich aus dem Wunsch heraus, selbst der Bessere sein zu wollen.

Und doch stellt sich die Frage, warum tun wir dies?

Warum leben so viele Männer und zunehmend auch Frauen nach dem Motto „Jeder für sich!“ anstatt alle gemeinsam zum Wohle aller? Schon in der Schule lassen wir den Nachbarn ungern von uns abschreiben, weil dieser ja dann auf unsere Kosten eine bessere Note bekommen würde und das geht schonmal GAR NICHT! Dabei kann es uns ja völlig Wurscht sein, welche Note der andere hat, solange meine Note meinen Vorstellungen entspricht. Was ändert es für mich, ober der Nachbar nun eine 1 oder eine 5 bekommt? Meine Note bleibt doch trotzdem gleich, oder nicht?

Männer sehen sich als Einzelkämpfer, weil sie nicht gelernt haben, wie es anders gehen soll. Sie glauben, dass sie es durch Anstrengung zu etwas bringen und sie glauben, dass sie dabei auf sich allein gestellt sind. Jeder ist seines Glückes Schmied. Und unsere Gesellschaft begünstigt genau dieses Denken. Männer glauben, dass es ein Eingeständnis von Schwäche sei, mit anderen zu kooperieren und deshalb fällt es ihnen schwer. Sie wollen es lieber selbst machen und der „Fix-it-Man“  sein. Und da sie diese Rolle schon so lange spielen, wissen sie nicht, wie es anders möglich wäre. Nun wäre ich ja nicht ich, wenn nicht gleich die Lösung frei Haus mitgeliefert würde 😉 Denn für jedes Dilemma gibt es eine einfache Lösung – das zumindest glaube ich.

Der Weg aus der (Männer) Rivalität

Wie läuft das Zusammensein in einer harmonischen Familie ab? Ist es da nicht so, dass jedes Familienmitglied den Erfolg des anderen unterstützt? Stell dir einmal vor, deine Mutter plant, eine Ausstellung mit ihren eigenen Werken durchzuführen und nehmen wir an, dein Verhältnis zu ihr ist prima und du selbst malst privat auch sehr gerne und hast ebenfalls etliche Bilder. Was tust du? Versuchst du, es ihr auszureden und stattdessen selbst eine Ausstellung für dich zu organisieren? Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich wirst du die Idee entwickeln, gemeinsam mit ihr eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Und jeder von euch würde sodann seine eigenen Stärken zum Wohle des gemeinsamen Projektes einsetzen und sein Bestes geben. Deine Mutter würde sich um die Räume, das leibliche Wohl, die Dekoration sowie die Bekanntmachung im Umfeld kümmern und du würdest das Ganze im Netz verbreiten, eventuell Kooperationspartner oder Sponsoren finden, Marketing betreiben und all die Dinge übernehmen, die deinen Stärken entsprechen. Und warum geht genau das Verhalten nicht auch im Büro?

TeamworkWie sähe unsere Gesellschaft aus, wenn wir unsere Mitmenschen ebenfalls wie liebe Familienangehörige behandeln würden? Ich denke, dass der Schlüssel zum persönlichen Erfolg und dadurch auch zum Unternehmenserfolg im wertschätzenden und unterstützenden Umgang miteinander liegt. Hier ist meine Liste mit Impulsen für das Überwinden des Rivalitäts-Gedanken im Büro und auch privat:

  1. Unterstütze den Erfolg deiner Kollegen und Freunde
    Jeder von uns ist einzigartig und hat seine eigenen Stärken. Miteinander geht es besser als gegen einander.
    Hilfst du anderen, erfolgreich zu sein, werden sie dies auch für dich tun. Alles, was du tust, kehrt zu dir zurück.
  2. Hilf anderen dabei, ihre Stärken zu entfalten.
    Lob stärkt das Selbstbewusstsein und den Glauben an sich. Lobe andere für ihre Stärken.
  3. Hab Verständnis für die Andersartigkeit deiner Kollegen.
    Die Natur braucht Vielfalt. Nicht alle können so sein wie du. Lerne, dass es viele Wege nach Rom gibt und entdecke neue Sichtweisen und Lösungen.
  4. Behandle andere so wie du behandelt werden möchtest.
  5. Finde für Projekte gute Verbündete mit gleichem Interesse.
    Mach aus einem Konkurrenten einen Verbündeten und profitiert beide vom Erfolg anstatt gegen einander zu handeln.
  6. Arbeite mit Freude und du wirst viel erfolgreicher sein.
    Alles, was wir widerwillig tun, fällt uns schwer und zieht sich wie Kaugummi. Du hast die Wahl, etwas mit Freude zu tun oder nicht.
  7. Sei wahrhaftig und ganz du selbst.
    Rollen zu spielen raubt uns Kraft und baut Unsicherheiten bei anderen auf. Bist du ganz du selbst, wirkst du liebenswert und authentisch. Du brauchst keine Schutzmauern, wenn du anderen wohlwollend gegenüber trittst.

So wie du deine Mutter auf ihrem Weg zum Erfolg unterstützen würdest, kannst du auch auf der Arbeit und im Freundeskreis andere Menschen auf ihrem Weg zum Erfolg begleiten. Es erfordert eine gewisse Reife des Herzens, diese Richtung einzuschlagen. Manch einer wird nun denken: Ja, ja, dann bin ich der Depp, der den anderen hilft und am Ende stehe ich allein da, während die anderen Karriere machen. Diese limitierende Art des Denkens sorgt für Zustände, die wir aktuell um ums herum erleben. Jeder sorgt sich nur um sich und sein Vorankommen. Ich weiß, dass der andere Weg funktioniert, weil ich es selbst erlebt habe. Auch mein Mann hat sich aus der Rivalitätsfalle befreien können und lebt nun entspannter, erfolgreicher und hat wesentlich mehr Verbündete und Freunde als früher. Er kommt nun nach der Arbeit gut gelaunt nach Hause und hat noch Energie und Kraft, weil er diese nicht durch sinnlose Grabenkämpfe verbrauchen muss.

Wir alle können uns entscheiden, unseren Teil zu leisten, um die Welt um uns herum zu unseren Gunsten zu verbessern. Wir müssen nicht darauf warten, dass ein Super-Hero das für uns macht. Kleine Veränderungen können so viel bewirken und unseren Alltag schöner und freudvoller gestalten. Für Männer und Frauen.


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