Die Dynamik des Gelingens

Dr. Friedmann, ein Psychologe, der die lösungsorientierte Psychologie im deutschsprachigen Raum geprägt und vorangetrieben hat, hat einen Vortrag zur Dynamik des Gelingens gehalten, der mich sehr faszinierte und inspirierte.

Wir alle streben in unserem Leben Erfolg und Anerkennung an, obgleich jeder Mensch Erfolg auf seine ganz persönliche Weise definiert. Doch was macht uns erfolgreich und was ist das Geheimnis des Erfolges? Zunächst einmal fühlen wir uns dann erfolgreich, wenn uns etwas gelingt, das uns wichtig ist und das wir uns vielleicht auch schon lange gewünscht haben. Je mehr uns nun in unserem Leben gelingt, desto erfolgreicher wären wir demnach per Definition.

Psychologisch gesehen gewöhnen wir uns daran, dass uns Dinge gelingen und jedes Vorhaben, das wir erfolgreich umsetzen, verfestigt unser Denkmuster und unsere Ausrichtung auf Gelingen. Soweit die Theorie. Doch so viel uns auch gelingen mag, manchmal scheint der Wurm drin zu sein und ein Vorhaben oder ein Ziel, das wir uns gesteckt haben, scheint sich einfach nicht zu erfüllen. Wir versuchen durch immensen Kraft- und Zeitaufwand, dieses Vorhaben umzusetzen, doch es geht einfach nicht voran. Woran liegt das nun?

Die Begründung liegt im WOLLEN.

ziele erreichenDamit uns etwas wirklich gelingen kann, müssen wir es wollen. Dieses wahrhaftige und ehrliche Wollen ist das Fundament des Gelingens. Erst, wenn wir etwas wirklich wollen, können wir es auch erreichen. Das Wollen führt zur Entschlossenheit, ein Ziel oder Vorhaben wirklich zu erreichen und dafür auch etwas zu TUN. In der esoterischen Literatur mag manchmal der Eindruck entstehen, dass man sich nur etwas zu wünschen und seinen Wunsch an das Universum zu schicken braucht, um dann sogleich die Erfüllung dessen frei Haus geliefert zu bekommen. So einfach ist das. Für all die konsumfreudigen Gemüter mag dieses Versprechen ein wahres Wunderinstrument sein, doch werden auch sie selbst sehr schnell feststellen, dass diese Strategie so ihre Tücken hat. Manches mag sich sodann tatsächlich erfüllen und manches eben nicht. Und was ist der Grund? Das mangelnde TUN ist es in diesem Falle und auch die tatsächliche Entschlossenheit. Denn wenn man sich munter drauflos alles wünschen kann, macht es auch nichts, wenn das ein oder andere auf der Strecke stecken bleibt. Doch wenn dir nicht völlig egal ist, welche deiner Wünsche und Ziele sich erfüllen, solltest du das Wünschen beim Universum einfach als Spaß betrachten und nicht zu ernst nehmen und dabei eine wirksamere Methode anwenden, wenn es wirklich wichtig wird. Sich einfach nur darauf zu verlassen, dass das Universum es schon richten mag, ist einfach zu wenig. Wenn wir etwas wollen, so sollten wir auch etwas unternehmen, um vom Wollen zum Erhalten zu gelangen.

Trotz größter Anstrengung kein Erfolg?

Das andere Extrem ist, sich so sehr auf ein bestimmtes Ziel zu fokussieren, dass alles andere im Leben in den Hintergrund gerät. Diese Strategie wenden wir oft an, wenn sich das Gelingen eines Vorhabens nach einiger Zeit trotz größter Bemühungen leider nicht einstellt.

erfolgreich seinManch einer entwickelt dann wahre Terriermentalitäten und verbeißt sich in diesem Thema und bündelt alle Kraft und Reserven, um sein Ziel doch zu erreichen. Das Wollen und auch die Entschlossenheit sind also zu mehr als 100 % gegeben. Warum funktioniert es dann nicht?

Hier stellt sich nun die Frage: Wer will dieses Ziel erreichen? Bin das wirklich ich oder ist dieses Ziel eigentlich ein Fremdziel oder ein „Wenn-Dann-Ziel“? Ein „Wenn-Dann-Ziel“ ist ein Ziel, das ich erreichen (muss) möchte, um dadurch ein anderes Ziel (das wirklich begehrte Ziel also) zu erreichen.

Hier ein Beispiel:

Ich will einen bestimmten Mann kennen lernen und finde heraus, dass er begeisterter Surfer ist. Da ich weiß, dass er sehr viel Zeit mit Surfen verbringt, rechne ich mir größere Chancen aus, wenn ich ebenfalls Surferin werde. Also buche ich einen Kurs und nehme mir vor, innerhalb einer bestimmten Zeit zur versierten Surferin zu werden. Das Ziel ist also den Surfer zum Freund zu machen und das „Wenn-Dann-Ziel“ wäre das Surfen lernen. Ich bilde mir also ein, dass ich erst dann eine Chance bei diesem Mann habe (oder zumindest höhere Chancen auf ihn hätte), wenn ich surfen könne. Nun mag es sein, dass ich kein begnadetes Surftalent bin und sich dieses Ziel als noch größere Herausforderung entpuppt, als den Mann einfach so kennen zu lernen. Und irgendwann habe ich dann trotz größter Anstrengung und Zeitinvestment das Gefühl, dass ich mein Ziel trotz größter Mühe nicht erreichen werde. Da ich schon mein Wenn-Dann-Ziel nicht erreiche, rückt natürlich auch mein wirkliches Ziel in unerreichbare Ferne.

geld anziehenEin anderes Beispiel könnte sein, dass ich mehr Geld verdienen möchte. Um dieses Ziel zu erreichen, versuche ich, mehr zu arbeiten und mich mehr anzustrengen, um bei der Firma oder meinem Vorgesetzten Punkte zu sammeln und dadurch befördert zu werden. Ich denke dann: „Wenn ich befördert werde, dann verdiene ich mehr Geld.“ Unter Umständen werde ich irgendwann aufgrund meines Engagements tatsächlich befördert  und bekomme noch mehr Verantwortung. Da es laut Aussage meines Vorgesetzten dem Unternehmen jedoch leider momentan nicht ganz so gut geht wie einst, ist die Beförderung mit nur einer minimalen Gehaltserhöhung verbunden. Meine ganze Energie habe ich in diesem Fall auf die Beförderung konzentriert, die mir jedoch mein eigentliches Ziel „Mehr Geld“ nicht erfüllen konnte.

Für das Gelingen ist wirklich relevant, dass ICH tatsächlich dieses Ziel habe, das ich erreichen will. Nur wenn dieses Ziel mein ganz persönliches und klares Ziel ist, ich es wirklich will und bereit bin, dafür etwas zu tun, dann erreiche ich es.

Viele von uns wissen ganz genau, was sie alles nicht wollen und was sie aktuell alles mächtig ankekst. Doch bringt uns diese Erkenntnis leider nicht weiter. Erst wenn wir uns die Frage stellen: Was will ich stattdessen? – kommen wir auf den richtigen Weg. Sobald du beginnst, dir Gedanken darüber zu machen, was du wirklich willst, richtest du dich ganz und gar auf deine Visionen und Vorhaben aus und dir wird bewusst, was deine Bedürfnisse sind. In diesem Prozess erkennen wir dann oft, dass Dinge, von denen wir glaubten, dass sie uns wichtig seien, gar nicht so bedeutend sind und dass uns eigentlich andere Projekte und Vorhaben wesentlich attraktiver erscheinen.

 

So gelingen dir deine Vorhaben – wie du deine Ziele erreichst

Ich möchte als durchgehendes Beispiel eine Arbeitssituation wählen. Nehmen wir also an, dass du unter dem unkollegialen Verhalten eines Arbeitskollegen leidest.


1. Definiere dein Ziel und schreibe es auf.

ziele findenAchte dabei auf eine aktive und positive Formulierung. Wenn dir kein konkretes Ziel einfällt, dann schreibe auf, was dich momentan am meisten stört. Und danach überlegst du dir: Was will ich stattdessen? Dein Wunsch mit obigem Beispiel könnte also sein: „Ich will nicht mehr unter dem Verhalten des Arbeitskollegen leiden.“ Da das nun natürlich noch passiv und negativ formuliert ist, fragen wir uns jetzt: Was will ich stattdessen? Das Ziel ist dann also:  „Ich bleibe gegenüber meinem Kollegen immer gelassen und innerlich ruhig.“
Frag dich nun selbst, wie attraktiv und wichtig für dich das Ziel auf einer Skala von 1-10 ist. Ist es nur eine 6 oder 7, dann überlege dir, was für dich wichtiger wäre. Ein wichtiges Ziel sollte immer die Wichtigkeit 10 haben, sonst willst du es nicht genug und das behindert natürlich das Gelingen dieses Vorhabens.


2. Welche Vorteile bringt dir das Ziel ein?

Stell dir vor, du würdest dieses Ziel erreichen. Welche Vorteile ergeben sich dadurch für dich? Was in deinem Leben verändert sich dadurch zum Positiven? Bei unserem Beispiel könnten das z. B. folgende Vorteile sein:

  • Ich komme wieder gern zur Arbeit.
  • Ich bin viel produktiver, weil ich mehr Freude bei der Arbeit habe.
  • Ich fühle mich selbstbewusst und frei.
  • Ich habe eine positive Ausstrahlung, weil ich innerlich ruhig und gelassen bin.
  • Ich habe mehr Energie, weil ich mich nicht mehr aufgewühlt fühle.
  • Ich wirke anziehend und sympathisch auf andere, weil ich ausgeglichen bin.

 

 3. Nutze die Kraft deines Unterbewusstseins

ziele erreichenDein Unterbewusstsein erfüllt dir alles, worauf du verstärkt deine Aufmerksamkeit richtest. Nutze die Kraft und Macht deines Unterbewusstseins, um dein Ziel zu erreichen. Schließe deine Augen und stell dir nun vor, wie du gegenüber dem Verhalten deines Kollegen völlig gelassen und ruhig bleiben kannst. Lass vor deinem geistigen Auge einen Film ablaufen, in dem du ruhig und gelassen bleibst, während dein Kollege sich wieder unmöglich aufführt. Sieh, wie deine Ruhe und Gelassenheit auch dazu führt, dass sich dein Kollege ebenfalls schnell beruhigt und mit dem störenden Verhalten aufhört. Spür, wie nur du die Macht über deine Gefühle hast und niemand sonst und stell dir das ganz genau vor. Lass dabei alle positiven Gefühle von Genugtuung, Ruhe und Harmonie, Zufriedenheit und Stolz zu. Fühle sie im Körper.

Allein diese Übung wird in kürzester Zeit ihre Wirkung entfalten. Je öfter du dir deinen Wunschzustand „erträumst“ desto stärker programmierst du dein Unterbewusstsein darauf, gelassen und ruhig zu bleiben. Du wirst sehen, dass dir in akuten Situationen bewusst wird, dass nur du die Macht über deine Gefühle hast und nicht die anderen. Selbst wenn dich jemand anzugreifen versucht – du entscheidest, gelassen zu bleiben und besonnen zu reagieren.

 

4.  Erstelle deinen Masterplan des Gelingens

ziele erreichenDu weißt jetzt schon, was du konkret willst, was also dein Ziel ist. Nun machst du einen Plan zum Gelingen, so wie du es auch bei einem Kredit tun würdest, beim Hausbau oder auch vor dem Einkaufen in Form einer Einkaufsliste. Mach dir jetzt alle nötigen Schritte bewusst, um dein Vorhaben zu erreichen. Stell dir dabei die Fragen:

  • Wann will ich mein Ziel erreicht haben? (Genau definieren z. B. Datum, Monat, Woche)
  • Was muss ich dafür diese Woche tun, was nächste Woche und was in den kommenden zwei Wochen?
  • Wer oder was kann mir helfen, mein Gelingen zu unterstützen und wie? (Freunde, Partner, Coach, Sport, Yoga für den inneren Ausgleich, Bücher etc.)
  • Was erinnert mich täglich daran, an meinem Vorhaben festzuhalten? (z. B. kleiner Stein, Stift, Gegenstand, den du mit dir trägst)
  • Welches Lied hilft mir, mich zu motivieren und zu unterstützen? (z. B. morgens vor dem Arbeiten oder in Stressmomenten, beim Sport etc.)

 

5. Erfolge verbuchen

Viele unserer Vorhaben gelingen uns, aber wir vergessen sie im Laufe unseres Lebens und  erinnern uns meist nur an die wirklich großen und einschneidenen Ereignisse. Das ist sehr schade und insbesondere in Zeiten, in denen wir innere Stärke, Zuversicht und Vertrauen in uns bräuchten, täte uns diese Erinnerungshilfe doch wirklich gut. In meiner Praxis empfehle ich fast jedem Klienten ein Erfolgstagebuch zu führen. Es ist ein kleines Büchlein, in das du auf den ersten Seiten alle Erfolge einträgst vom Kindergarten bis heute, die dir einfallen. Das können zwischenmenschliche tolle Erlebnisse sein, in denen du wie verrückt lachen konntest, unbeschwert warst, jemandem eine Hilfe warst etc.. Das können auch leistungsbezogene Erfolge sein wie Schulleistungen, Vorträge, sportliche Leistungen, Engagement, Abschlüsse, Ausbildungen, erfolgreiche Projekte und Vorhaben, Diplome etc. Schreib auch all die Dinge ein, die deinem Tag eine positive Wendung geben konnten und dir Lebensfreude beschert haben. Dieses Buch ist dein persönlicher Beweis dafür, wie viel dir schon gelungen ist und es zeigt dir, dass du alles schaffen kannst, wenn du es wirklich WILLST. Vor allem in schwierigen Momenten hilft dir das Buch, dich auf deine Stärken und dein eigenes Gelingen zu besinnen.

Ich hoffe, dass dir ab heute all das gelingen mag, was du dir wirklich wünschst und was du von Herzen willst.

 


Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.