Bist du ein Stress-Esser?

Gepostet von am 18. Dezember 2013 in beliebte Themen, Gesundheit, Glaubenssätze, Selbstbewusstsein | 1 Kommentar

Bist du ein Stress-Esser?

Möchtest du den Hang zum Stress-Essen gerne endlich überwinden? Hast du Heißhunger-Attacken wenn du nervös oder gestresst bist? Isst du oft über deine Sättigungsgrenze hinaus und kannst einfach nicht aufhören?

Ein sehr guter Freund von mir, der im Grunde auf eine sehr ausgewogene Ernährung achtet, leidet sehr darunter, insbesondere bei Stress essen zu müssen und dieses Verlangen nicht ignorieren zu können. Er hat regelmäßig ein enormes Verlangen, abends Chips oder Knabbereien zu essen – vor allem nach einem kraftraubenden Tag im Büro. Ist die Packung einmal offen, hört er erst auf zu futtern, sobald der letzte Krümel verputzt ist. Im Büro überkommt ihn nachmittags oft die Lust auf Süßes und er kauft sich Schokoriegel in der Kantine.

Schmeckt ihm ein Gericht unheimlich gut, kann er nicht aufhören zu essen, selbst wenn er bereits übersättigt ist. Das Essen scheint ihm einfach ein Gefühl des Wohlbehagens zu geben. Oft sagt er bei Stress „Ich bin total unterzuckert. Ich brauche jetzt was Süßes!“ und dann greift er zu Keksen, Schokolade oder was eben greifbar ist. Es bleibt aber nicht bei einem Bissen, sondern es ist immer die gesamte Packung, die er dann aufessen muss. In Zeiten, in denen er viel zu tun hat und gestresst ist, ist das Essverlangen besonders ausgeprägt. In Zeiten, in denen er ausgeglichen und in sich ruhend ist, hat er kaum Verlangen, neben den Hauptmahlzeiten etwas zu essen und treibt dann auch viel mehr Sport als sonst.

Jedem von uns macht normalerweise Essen Freude. Wir essen wenn wir hungrig sind und freuen uns darüber, dass es uns schmeckt und uns angenehm sättigt. Bei manchen Menschen schafft Essen jedoch ein ganz besonderes Gefühl von Wohlbehagen und löst zusätzlich noch positive und beruhigende Gefühle aus. Solange sie in Balance bleiben und ihnen der Alltag Freude bereitet, ist auch das Essverhalten in Balance. Verlassen sie jedoch ihre Komfortzone und erleben einen bestimmten Auslöser der sie stresst, stellt sich schnell das Essverlangen ein, um dadurch diese wohligen und positive Gefühle und Sicherheit zu schaffen.

Doch was löst Stress-Essen aus und wie kann man es überwinden? – Auslöser von Emotionalem Essen

stress-EsserUm Stress-Essen zu überwinden, ist es wichtig, sich überhaupt einmal bewusst zu machen, in welchen Situationen ich ein starkes Verlangen verspüre, etwas zu essen. Frust-Essen oder auch Emotionales Essen hat verschiedene Auslöser. Welche treffen auf dich zu?

  • Ich esse, wenn ich gestresst oder nervös bin.
  • Ich kann keinen Film schauen, ohne dabei zu essen.
  • Ich esse, wenn ich andere essen sehe.
  • Ich esse, wenn ich Dinge tun muss, die ich nicht will.
  • Ich esse, wenn ich mich für etwas belohnen möchte.
  • Ich esse, wenn ich etwas Tolles erlebt habe.
  • Ich esse immer, wenn man mir etwas anbietet oder etwas zur Verfügung steht.
  • Ich esse, wenn es die übliche Zeit zum Essen ist – egal, ob ich Hunger habe oder nicht.
  • Ich esse, wenn es mir langweilig ist.
  • Ich esse, wenn ich traurig bin.

Hast du einmal herausgefunden, was deine Auslöser sind (es sind meist bestimmte Gefühle), solltest du dich fragen, warum du in diesen Situationen nach Essen greifst. Es mag sein, dass du das Gefühl hast, es sei völlig normal, beim Film schauen etwas zu essen oder wenn dir etwas angeboten wird etc. Jedoch sind das Gewohnheiten und deshalb kommen sie dir bereits völlig normal vor. In der Regel essen Menschen nur dann, wenn sie hungrig sind oder zu einer Veranstaltung eingeladen werden und Appetit auf ein Häppchen oder Kuchen verspüren. Greifst du hingegen immer zu, wenn dir etwas angeboten wird, solltest du dir überlegen, welcher Grund dahinter verborgen liegt. Dies könnte z. B. sein:

  • ich möchte es anderen Recht machen
  • ich möchte nicht unhöflich sein (und es den anderen Recht machen)
  • ich muss mich anpassen (alle essen, also esse ich auch)
  • ich möchte die Erwartungen anderer erfüllen
  • ich kann nicht NEIN sagen

Vielleicht bemerkst du es schon, dass hinter all diesen Überzeugungen der Zweifel am eigenen Wert versteckt ist. Wenn du dich nicht traust, Nein zu sagen, dann gibst du unbewusst den anderen einen höheren Wert als dir selbst – denn du missachtest deine eigenen Bedürfnisse (ich habe eigentlich keinen Hunger), um die Bedürfnisse eines anderen (z. B. Gastgeber, Partner etc.) zu befriedigen. Dieses Verhalten hast du höchstwahrscheinlich bereits im Kindesalter angenommen und es war dir einfach bisher nicht möglich, das alte Verhaltensmuster zu überwinden, weil sich dahinter feste Überzeugungen (Glaubenssätze) verbergen, die dir nicht bewusst sind oder waren.

Emotionale Gründe des Stress-Essens

streitende ElternBei meinem guten Freund aus dem obigen Beispiel war es z. B. so, dass in seiner Familie sehr viel gestritten wurde. Seine Eltern lebten wie Hund und Katze im Dauerstreit und als Kind hat ihn das unheimlich stark belastet und geprägt. Bei den Mahlzeiten hingegen war es friedlich. Und seine Mutter hat große Freude daran gehabt, wenn er seinen voll beladenen Teller auch leer gegessen hat. So konnte wenigstens er ihr mit dieser kleinen Geste eine Freude machen, wenn schon ansonsten die Mutter nicht viel Freude erlebte. Und sie lobte ihn dann immer sehr ausgiebig dafür, wie „tüchtig“ er doch gegessen habe. Bei ihm verfestigte sich also die Überzeugung: „Wenn ich brav aufesse, mache ich meiner Mutter eine große Freude.“ Und irgendwann wurde das übermäßige Essen tatsächlich eine Gewohnheit in Kombination mit dem Glaubenssatz.

Nun, da er erwachsen ist, kann er nicht Nein sagen, sobald ihm etwas zu essen angeboten wird oder wenn er abends einen Film anschauen mag oder wenn er gestresst ist. Er versucht durch das Essen sich selbst eine Freude zu machen – bei der Mutter hat es ja funktioniert. Unbewusst wendet er also jetzt dieses Verhalten auf sich selbst an, um sich eine Freude zu machen und den Stress zu lösen.

Der Weg heraus aus dem Essverhaltensmuster

gesund-essen-kleinWie konnte mein guter Freund aber sein Essverhalten und dieses Muster so ändern, dass das Stress-Essen nicht mehr nötig war? Wir haben geschaut, wann er vermehrt nach Essbarem sucht und welches Gefühl er dann beim Essen hat.  Wir haben die Essenssituationen in seiner Kindheit besprochen und dabei festgestellt, dass es beim Essen friedlich zuging und ihm das Essen eine Art Ruheoase bot, wo es mal keinen Streit gab. Hinzu kam heraus, dass in seiner Familie der Glaubenssatz „Ich muss es dem anderen Recht machen.“ sehr stark gelebt wurde. Also hielt er seine Meinung entsprechend oft zurück, um andere nicht zu verletzen, bis er schließlich immer zurückhaltender wurde und gar nicht mehr wusste, was er für sich tat und was er tat, um die Erwartungen anderer zu erfüllen.

Auf diese Weise ist ihm bewusst geworden, dass das Essen für ihn mit dem Gefühl „Beruhigung“ verbunden war. Und insbesondere in Stressmomenten versuchte er, über das Essen innere Beruhigung zu finden. Der nächste Schritt war die Entkoppelung des Gefühls „Beruhigung“ vom Essen. Dafür haben wir andere beruhigende Maßnahmen für Stressmomente herausgefunden, die er anwenden konnte, sobald in ihm negative und ihn belastende Gefühle aufkamen. Solche Maßnahmen sind z. B.

  • die Visualisierung eines sehr beruhigenden Fotos/Bildes, das unmittelbar stresslösende Gefühle erzeugt (z. B. Strand, Foto mit den Kindern, Urlaubsbild)
  • Erinnerung an einen sehr angenehmen Moment und das Abrufen des dazugehörigen positiven Gefühls (Stell dir einen ganz wundervollen Moment vor, den du schon einmal erlebt hast, und lass in deinem Körper das positive Gefühl von damals wieder aufkommen.)
  • Bewusstes und tiefes Einatmen und ein beruhigender Satz, der im Inneren gedacht wird: „Ich bin wertvoll, so wie ich bin, egal, was gerade passiert.“ oder „Auch diese Situation geht vorbei und ich bleibe immer gleich wertvoll.“
  • Im Handy abgespeicherten lustigen Film oder lustiges Bild, das dich zum Lachen bringt anschauen. Humor löst Stress am schnellsten. Und wenn du dir dabei auch einen positiven Satz denkst, verstärkst du diesen Effekt noch. z. B. „Alles wird gut. Morgen ist das schon alles kalter Kaffee und ich bleibe wertvoll, egal, was ist.“
  • Ein im Handy abgespeichertes Lied, das dein persönliches Kraftlied ist und dir ein positives Gefühl gibt. Musik erzeugt unmittelbar Gefühle und kann uns in Sekunden wieder aufrichten.

Auf diese Weise wird das Stressempfinden vom Essensbedürfnis gelöst und durch beruhigende Gedanken entsteht wieder ein positives Körpergefühl. Denn ein Gedanke löst ein bestimmtes Gefühl aus und darauf folgt die Handlung als Reaktion auf das Gefühl. Beim Stressessen handelt es sich um Emotionales Essen. Hierbei entstehen in uns Gedanken, die inneren Stress und damit ein unangenehmes Gefühl auslösen und wir reagieren darauf mit Essen als Handlung. So entsteht ein Verhaltensmuster, eine feste Gewohnheit also, die bereits automatisch in uns abläuft.

Nun ist es wichtig, dieses Verhaltensmuster zu durchbrechen, um aus dem Kreislauf des Stressessens herauszukommen. Am Anfang geschieht dies durch ganz bewusstes Achten auf Situationen, die in dir Stress und negative Gefühle auslösen. Und genau in diesen Situationen wendest du dann bewusst eine der oben beschriebenen Maßnahmen an, um dich wieder besser zu fühlen. Mit der Zeit wird dies eine neue Gewohnheit und du kannst so das emotionale Essen überwinden und isst nur noch, wenn du wirklich Hunger hast.

eigener WegBei meinem guten Freund war es noch sehr wichtig, den Glaubenssatz „Ich muss es anderen Recht machen.“ aufzulösen. Denn durch diesen Glaubenssatz gestand er anderen immer wieder mehr Wert zu als sich selbst und missachtete dabei eine eigenen Grenzen. Ich bat ihn, sich an Situationen in seinem Leben zu erinnern, in denen er es mal den anderen nicht recht gemacht hatte, sondern ganz klar sein Bedürfnis gelebt hat und wie er sich dabei gefühlt habe, sich für seine eigenen Bedürfnisse stark zu machen. Ich bat ihn, sich in diese Situation und das Gefühl wieder hineinzufühlen und es wieder aufleben zu lassen. Und dann erkannte er, wie gut es ihm damals tat, den eigenen Weg zu gehen bei den Dingen, die ihm wirklich wichtig waren. Und er erkannte, dass der Glaubenssatz keinen Sinn machte, denn er ist genauso wertvoll wie andere auch! Jeder von uns ist einzigartig und nicht vergleichbar mit anderen. Bitte denke niemals, dass du weniger wert bist als irgend jemand anderes – denn das ist nicht wahr! So wie jeder von uns ist, ist er ein Unikat und wertvoll! Und wir sind es uns wert, unsere persönlichen Grenzen zu achten, um uns wohl im eigenen Leben zu fühlen. Achtest du deine Grenzen, werden dies die anderen aufgrund deiner inneren Haltung automatisch auch tun. Ein liebevolles „Nein, danke“ oder „Nein, das kann ich leider nicht erledigen, weil ich noch viele andere Aufgaben habe“, helfen dir dabei, deinen Wert zu wahren, anstatt dich für andere zu opfern. Denn den anderen geht es nicht besser dadurch, dass du leidest.

Noch ein letzer Hinweis: Sehr wichtig ist jedoch auch, regelmäßig kleinere Portionen zu essen, anstatt Hunger aufzustauen und zwei oder drei große Mahlzeiten zu verschlingen. Auf diese Weise gewöhnt sich dein Körper an kleinere Portionen und du leidest nicht an Heißhungerattacken.

 

 


1 Kommentar

  1. Danke! Ich kann sehr viel aus dem text mitnehmen für mich und mein leben.

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